2015 - 2016 Kanada/USA/Mexiko, Reiseberichte und Fotos, USA

Von grandiosen Aussichten bis hinein in tiefsten Wald und zwischendurch mal lecker Pies


Am 10.Juni 2015 ist unser Gesamtkilometerstand 4050, wir sind in Hartland, noch in Kanada in der Provinz New Brunswick. Wir übernachten direkt im Ort auf einem großen Platz hinter der Kirche mit Blick auf die längste komplett überdachte Holzbrücke der Welt über den Saint John River mit fast 400 m Länge. In dieser Provinz gibt es noch 62 Covered Bridges, die Überdachung hat hier klimatische Gründe, die salzhaltige Seeluft, normale Holzbrücken halten da 10-15 Jahre, die überdachten Brücken hingegen 70-80 Jahre.
11. Juni, wir sind kurz vorm Grenzübergang zur USA, es ist aber schon sehr später Nachmittag, da wir in Hartland noch ein bisschen rumgebummelt haben. Der Grenzort heißt Woodstock (nein, es ist natürlich nicht DAS Woodstock, aber dort kommen wir auch noch hin) und hat einen Campingplatz, wir beschließen den Grenzbeamten am nächsten Tag frisch geduscht gegenüber zu treten. Es gibt einen schönen Stellplatz auf der Zeltwiese vom Campingplatz direkt am Fluss, wir müssen uns zum Glück nicht zwischen die Riesencamper einreihen, es wäre ein lustiges Bild.
12. Juni, vormittags, an der Grenze läuft alles sachlich, freundlich, ohne Probleme, wir bekommen unser Visa aus Berlin abgestempelt und dürfen nun ein halbes Jahr am Stück in der USA bleiben. Wir befinden uns im Bundesstaat Maine und es gibt auch gleich hinter der Grenze im nächsten Ort eine Touristeninfo. Hier erfahren wir, dass im Baxter State Park, was unser erstes Ziel sein sollte, keine Hunde erlaubt sind. Schade. Es gibt noch reichlich Infomaterial und eine Landkarte mit auf den Weg. Der Baxter SP liegt mitten in Maine, mit weitgehend unberührter Wildnis und dem höchsten Berg von Maine, der Mount Katahdin mit 1606 m Höhe. Wir schlagen die Richtung ein zum State Park, wollen ein Stück außenherum fahren. Kurz vorm Parkeingang gibt es einen sehr schön gelegenen Campingplatz, aaaaaaber mit unendlich vielen gnadenlosen Biting Flies. Diese minikleinen Fliegen freuen sich über uns und beißen uns was das Zeug hält. Ich drehe fast durch, mein Hals komplett zerbissen, auch Arme, Beine und Füße, alles eben was bei Sommerhitze natürlich nicht eingekleidet ist. Ein Zeltplatznachbar läuft an uns vorbei, ich schaue ihm nach, er hat seine langen Hosen in seine Strümpfe gesteckt, ein langärmeliges Hemd an und eine Mütze auf mit Nackenschutztuch. Nein, so möchte ich nicht im Sommer rumlaufen (eigentlich sind die Biester im Sommer auch gar nicht mehr da), ich möchte hier einfach nur wieder weg.
13. Juni, das heißt heute genau 253 km Fahrt bis zur Küste, jippihjeh, wir überqueren die Trenton-Brücke und befinden uns auf Mount Desert Island. Hier auf der Insel befindet sich auch der Acadia National Park, der einzige NP im Nordosten der USA und deshalb äußerst populär, aber die Ferien beginnen erst in ein paar Tagen und somit hält sich der Besucherstrom noch in Grenzen. Wir bleiben einige Tage auf der Insel, mal im Nationalpark mit Fahrt (nicht gewandert) auf den Cadillac Mountain, mit 459 m die höchste Erhebung an der amerikanischen Ostküste, mal außerhalb mit Besuch der kleinen Hafenorte. Dort kaufen wir unseren ersten liebevoll gebackenen American Pie mit lecker Blueberryfüllung. Lars findet es toll, dass er in einer nussfreien Umgebung hergestellt ist, die Bäckerin sagt uns, ihre Kinder haben eine Nussallergie, ich sage, mein Mann auch. Wir zelten auf den Campingplätzen vom NP und wir finden auch schöne Stellplätze wo wir uns einfach so hinstellen und unser Kanu mal wieder auspacken können. Am Tag weht noch eine leichte Brise, so dass wir etwas kräftiger paddeln müssen. Foppolo scheint bei Wellengang besonders gut schlafen zu können. Nach dem Abendbrot ist es windstill und der See spiegelglatt, der Himmel sieht grandios aus. Das lädt ein zu einer abendlichen Bootstour. Superschön. Wir sehen zwei Weißkopfseeadler über uns kreisen.
Nach fast einer Woche machen wir uns auf den Weg zum White Mountain National Forest. Es sind fast 400 km zu fahren, unter anderem durch Orte namens Berlin und Norway. Lars sieht einmal mitten auf der Gegenfahrbahn eine Schildkröte. Irgendwann hatten wir mal ein Schild gelesen, wenn man eine Schildkröte auf der Straße sieht, soll man sie rüber heben auf die Seite. Wir hätten das natürlich auch ohne das Schild gemacht, jedenfalls macht Lars eine scharfe Bremsung, rennt zurück (macht klaro noch Fotos) und rettet die Schildi, denn kurz darauf kommt einer von diesen rießen LKW´s angedüßt und hätte sie wohl überfahren. Später macht er nochmal eine scharfe Bremsung, da ist es wegen mir, denn da habe ich am Wegesrand einen kleinen Bäckerstand gesehen, mit Kasse des Vertrauens, so niedlich sieht der kleine Stand aus, da muss ich mir was für mein leibliches Wohl kaufen. Einen Whoppie Pie, das sind weiche Schoko-Doppelkekse mit Marshmallowscreme-Füllung. Im Reiseführer steht, man sollte auf keinen Fall den Bundesstaat Maine verlassen, ohne einmal Whoopie Pie probiert zu haben. Na das hat ja noch geklappt. Ich find ihn lecker.
Vom 19.-25. Juni sind wir unterwegs in den White Mountains (im Bundesstaat New Hampshire), mit Gipfeln bis fast 2000 m das höchste Gebirge im Nordosten, grau-schwarze Granitfelsen, dichte Wälder, Schluchten und Wasserfälle erwarten uns. Im National Forest gibt es viele schön gelegene Campingplätze, immer in typischer einfacher Ausstattung (also Plumsklo und Wasserpumpe), meist mit Selbstzahlstation. Da wir ein bisschen kreuz und quer fahren, übernachten wir an verschiedenen Plätzen. Eine Nacht verbringen wir fast wie in alten Zeiten in unserem Zelt, nur das jetzt ein Hund direkt zwischen uns mit im Innenzelt schläft. Foppolo dachte bestimmt, wenn der Bär kommt, ist er so wohl sicherer gebettet als allein im Vorzelt. Wir haben einen Eimer voll Sand im Zelt, da der Fluss an dem wir uns befinden einen kleinen Sandstrand hat und Foppolo alles im Fell und in den Pfoten. Die Bärenboxen für Campers Essen, Getränke und Kosmetik müssen wir nicht nutzen, denn Abendbrot gegessen haben wir noch am Jeep und frühstücken ebenfalls wieder (Zähne putzen auch). Wir haben nur unsere Schlafsachen mitgenommen (ca.1 km vom Parkplatz bis zum Zelt) und für jeden ein Döschen Bier, das haben wir vorm schlafen gehen gemütlich noch am Fluss ausgetrunken.
Auf den 1917 m hohen Gipfel des Mount Washington fährt eine mit Kohle befeuerte Zahnradbahn, diese originelle Bahn wollen wir uns anschauen. Im Schneckentempo geht es mit bis zu 37% Steigung hinauf, damit bei Schräglage die Kohle nicht vom Ofenrost rutscht, wurde der Kessel im schiefen Winkel aufs Fahrwerk gesetzt. Das Original fuhr erstmals 1869.
Wir verlassen die White Mountains und machen uns langsam auf den Weg nach New York.
Der 26. Juni ist unser 41. Reisetag, wir sind bei Kilometerstand 5573. Es sind noch 245 mi bis New York, dort landet in 13 Tagen Verena. Wir freuen uns schon riesig auf ihren Besuch und davon gibt es auch wieder einen kleinen Bericht.
Liebe Grüße Lars, Dagmar und der Foppolo

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