2. Schiffsreise

Am 30.06.2007 stehen wir glücklich mit unserem Gespann am Kai in Hamburg und rollen auf das Frachtschiff „Repubblica Argentina“ , der italienischen Reederei Grimaldi, in Richtung Südamerika…

Wir werden nach links im Frachtraum eingewiesen, wo das Motorrad seinen Stellplatz bekommt. Das komplette Gepäck wird abgeschnallt  und mit der Hilfe des Steward, schleppen wir erst mal alles bis zum Fahrstuhl, fahren bis in die 8. Etage vom Schiff und bekommen unsere Kabine zugewiesen. Klein aber fein. Doppelstockbett haben wir gebucht, wer schläft oben, wer schläft unten? Also falls ich Seekrank werde bin ich wohl mit dem Bett unten besser bedient und so hat Lars die Aussicht zum Fenster raus aus dem oberen Bett.

Es ist noch später Nachmittag und das Schiff wird fleißig beladen, wir beobachten das ganze Treiben vom 8. Deck. Wir lernen unsere Mitpassagiere kennen, es ist das Ehepaar Elisabeth und Heinz aus Aachen (78 und 81 Jahre alt). Es ist ihre 7.Frachtschiffreise. Sie wollen von Hamburg nach Buenos Aires und wieder zurück nach Hamburg in ca. 57 Tagen fahren. Hut ab.

Der Steward weißt uns kurz in die wichtigsten Dinge ein, zu welchen Zeiten es Essen gibt, wo der Aufenthaltsraum ist, wo wir Wäsche waschen und aufhängen können.

18 Uhr gibt es das erste Abendessen an Bord, ein 4 Gängemenü, okay also wenn das so die nächsten 5 Wochen geht, können wir die Gürtel weiter schnallen. Noch dazu ist es italienische Kost, die wir beide ja so lieben.

Es wird Nacht und wir beschließen in die Koje zu gehen. Als wir am nächsten Tag aufwachen schauen wir gespannt aus dem Fenster und wir sind immer noch im Hamburger Hafen, also kein Ablegemanöver verpasst. Wir gehen frühstücken, was auch typisch italienisch ist, also eher mager ausfällt, aber das ist nicht so schlimm.

Um 9 Uhr geht es dann los, wir legen ab und fahren ca. 35 km den Elbekanal entlang, bis es rausgeht aufs Meer…die lange Fahrt beginnt.

Nun im folgenden unsere Route vom Schiff :

Den Scheldekanal entlang nach Antwerpen in Belgien. Es geht durch eine große Schleuse in das hinterste Hafenbecken.

Durch die Nordsee Richtung England, entlang der Themse nach Tilbury. Diesmal muß das riesen Schiff durch eine extrem kleine Schleuse. Im Hafen Drogenkontrolle mit Hunden in unseren Kabinen.

Durch den Ärmelkanal Richtung Le Havre in Frankreich.

Weiter nach Bilbao / Spanien, dort gehen wir das erste Mal an Land. Es gibt leckeren Milchkaffee, Langustinos mit Prossecco, Schweinsohr, Baguette, Eis und wieder Kaffee. Ein Großeinkauf im spanischen Plus : Bier, Wein, Cola, Kekse, Schokolade, Vollkornbrot.

3 Tage auf See – Ankunft in Casablanca / Marokko.  Es ist deutlich zu merken, daß wir nicht mehr in Europa sind. Ein Chaos beim abladen der Fracht und der Autos. Die Türgitter zu den Decks sind gut verschlossen, kein Zutritt für blinde Passagiere. Das Schiff wird in allen afrikanischen Häfen kontrolliert.

Wieder 3 Tage Fahrt – Ankunft in Dakar / Senegal  mit Landgang. Das Hafenviertel ist ein Kulturschock, aber sehr interessant. Schwarze Menschen in farbenfreudigen Gewändern schauen uns Weißen entgegen.

Nochmal Afrika – Banjul  in Gambia. Ohne Landgang, es ist sehr heiß. Abends gibt es frische Garnelen aus dem Meer.

Es geht über den Atlantik Richtung Brasilien. Nach 3 Tagen fahren wir über den Äquator mit Taufe, eine Dusche aus einem Feuerlöschschlauch. Das ganze natürlich mit Meereswasser.

Nach insgesamt 7 Tagen auf hoher See haben wir es geschafft , der erste Hafen in Südamerika ist Vitoria in Brasilien. Landgang in die Altstadt von Vitoria, welche sich genau auf der anderen Seite vom Hafen befindet, das Schiff zum greifen nah, aber mit dem Taxi haben wir eine halbe Rundreise gemacht.

An der Küste von Brasilien entlang bis Rio de Janeiro.  Den ganzen Tag Landgang, fahren bis hoch zur Christusstatue – berühmter Blick über Rio, leider mit stark bewölkten Himmel. Wir sind gemeinsam unterwegs mit Giovanni, dem 2. Ingenieur vom Schiff.

Einen Tag Fahrt bis Santos, letzter Hafen von Brasilien auf dieser Fahrt.

3 Tage Fahrt entlang der Küste bis Zarate in Argentinien. Fahren schon mal an Buenos Aires vorbei, dann durch einen langen Kanal zum Hafen von Zarate.

60 km Kanal wieder zurück, insgesamt 90 km bis Buenos Aires in 10 Stunden.

02.08.2007

Wir haben es geschafft, eine Seefahrt von 33 Tagen, wer hätte das gedacht.

Wir sind beide nicht Seekrank geworden.

Wir haben beide zugenommen.

Wir haben beide sehr sehr viel geschlafen, gelesen, relaxt, gesonnt, Tischtennis gespielt, Musik gehört, Bilder sortiert, Tagebuch geschrieben, E-Mail geschrieben,  Fische ( Delphine, Wale und fliegende Fische) und Schiffe beobachtet und nur manchmal war uns ein ganz klein wenig langweilig.

Wir haben nette Seemänner kennengelernt, welche im Frachtraum arbeiten und immer ein wachsames Auge in den Häfen auf das Gespann hatten, Giovanni den 2. Ingenieur, der uns Rio de Janeiro und den Maschinenraum zeigte und unser Neptun war, Claudio ein Kollege von Giovanni und immer lachende philippinische Crewmitglieder.

Dennoch :

Leider müssen wir sagen, dass uns die Seefahrt nicht so gut in Erinnerung bleiben wird, wie bei unseren Reisebekannten, die so von dieser Überfahrt geschwärmt hatten, sodass wir uns ja auch dazu entschlossen. Wir hatten definitiv den falschen Kapitän an Bord und leider ist man dieser Unfreundlichkeit für Wochen „ausgeliefert“.

Für uns ein in vielen Situationen unmögliches Verhalten gegenüber uns 4 Passagieren, sowohl auch gegenüber seiner Mannschaft.

Diese Frachtschiffahrt war für uns eine interessante Erfahrung, aber wir denken, dass es bei dieser einen Überfahrt bleiben wird.

Jetzt freuen wir uns riesig auf festen Boden unter den Füßen und das Gespann endlich auf herrlichen Pisten zu fahren.

Vamos…..!