Kanada und Alaska (2.Teil) … wo im Sommer auch Nachts die Sonne lacht …


25.5.16 … wir stehen in Dease Lake vor der Bücherei und checken mit dessen Internet die Wettervorhersage, kein Regen in Sicht und so entscheiden wir uns die 120 km Schotterpiste nach Telegraph Creek zu fahren. Diese Stichstraße soll teilweise sehr aufregend und bei Nässe nicht empfehlenswert sein. Entlang des Grand Canyon Stikine River geht es kurvig hoch und runter. Na dieser Abstecher lohnt sich doch. „Hinten“ angekommen, befinden wir uns am Osthang der Coast Mountains. Wir übernachten direkt am Stikine River und laufen am nächsten Tag, bevor wir wieder den Rückweg antreten, durch das kleine, scheinbar ausgestorbene Örtchen Telegraph Creek. Im Cafe und Lodge Stikine River Song werden wir sehr nett von zwei Frauen bedient. Sie schreiben gerade ihr Tagesangebot auf die Tafel, also scheint ja tatsächlich was los zu sein. Wir dürfen sogar das alte Haus, welches heute noch als Hotel genutzt wird, besichtigen. Alles ist sehr gepflegt und ordentlich, die Zimmer sind einfach und hübsch eingerichtet. Man fühlt sich in frühere Zeiten zurückversetzt, welche auf vielen Fotos an den Wänden dokumentiert sind. Am Ortsausgang holt uns die Gegenwart in Form eines mit 3 jungen Einheimischen besetzen Autos wieder ein. Wir machen gerade noch ein Foto, da halten sie neben uns und lallen uns zu. Sie sind zwar sehr freundlich und freuen sich, dass wir Ihre Heimat besuchen, aber es ist eben erst Vormittag und sie sind schon, oder immer noch ziemlich high. Der Fahrer verabschiedet sich mit „trinkt Whisky“ von uns. Wir hoffen für die Jugendlichen sehr, dass trotz der Abgeschiedenheit dies nicht ihre einzige Zukunft ist.

Zurück in Dease Lake übernachten wir am gleichnamigen See auf der Sawmill Point Recreation Area. Lars versucht das Buschtaxi vom gröbsten Pistendreck zu befreien, der Regen auf der Rückfahrt hatte die Piste sofort schlammig gemacht und der Schlamm klebt jetzt überall fest. Am Abend war kurz die Sonne draußen, aber der Regen kommt wieder und bleibt leider bis Watson Lake.

 

Noch auf dem Cassiar Highway überqueren wir die Provinzgrenze von British Columbia ins Yukon Territory. Das Yukon Gebiet hat eine Fläche von 482.443 km², das entspricht ca. Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammengenommen.

Wir biegen auf den 2.230 km langen Alaska Highway ab. Er beginnt in Dawson Creek / British Colombia (hier kommen wir auf unserem Rückweg noch vorbei) und endet in Delta Junction / Alaska. Während der Bauarbeiten am Highway im Jahre 1942 hatte einer der knapp 11.000 eingesetzten US-Soldaten mächtig Heimweh und nagelte ein Schild seines Heimatortes „Danville, Illinois“ an einen Pfosten. Andere Arbeiter, Trucker machten es ihm gleich und später folgten und folgen immer noch unzählige Touristen diesem Beispiel. Durch diesen Schilderwald (mittlerweile über 77.000) wandern wir in Watson Lake und entdecken zufällig das Schild von Rini und Rico (Itchywheels.de).

Wir füllen mal wieder unsere Vorräte auf, denn Watson Lake (ca.1600 Einwohner) ist nicht nur der nach Withehorse wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Yukon Territory, sondern auch der einzige Ort (außer Withehorse) mit einer vollständigen Versorgungsinfrastruktur im Yukon. Ein Stück außerhalb der Stadt übernachten wir am Highway in einer kleinen Kiesgrube.

 

Ein ganzes Stück vor Withehorse verlassen wir an Jake’s Corner den Alaska Highway und fahren südlich auf die Tagish Road. Diese führt uns bis zum kleinen Goldrauschstädtchen Carcross  (ca. 440 Einwohner). Von da geht’s weiter auf den Klondike Highway nach Skagway. Aber nicht so schnell, im Visitorcenter von Carcross bekommen wir einiges an Infomaterial von einer deutschen Frau, die schon seit 20 Jahren in der Gegend wohnt und hier arbeitet, über den Ort und die Umgebung. Ist der Ort in unserem alten Reiseführer von 2008 fast nicht beschrieben, gibt es jetzt doch einiges zu sehen. Ein kleiner Platz mit restaurierten Holzhäusern (Bistros, Cafe, Souvenirs), welche mit Zeichen und Schriften von der Tagish First Nation (den Ureinwohnern) bemalt wurden und ihre Geschichte erzählen. Wir dürfen in die Werkstatt eines Schnitzer und ihm bei seiner Arbeit an einem Totem zuschauen.

Gegenüber vom Bahnhof befindet sich eines der ältesten Geschäfte. Ein Gang durch den Laden und man findet sich in vergangenen Zeiten wieder. Ich kann kaum unterscheiden was kann man kaufen und was ist alt, ein ziemliches Durcheinander, aber mir gefällt es. Beim Bäcker gibt es wunderbares Sauerteig Brot, wir nehmen gleich zwei Stück, denn frisches Brot ist selten. Am kleinen Strand vom Ort am Bennett Lake machen wir eine Pause und die Hunde können rumtoben und rumschnüffeln. Wir genießen den Blick in diese wunderschöne Landschaft, das sahen die Männer und auch Frauen während des Goldrauschs sicher anders, denn hier mussten sie sich ihre Boote für die Weiterfahrt zusammen zimmern.

Wir bleiben noch in der Gegend und übernachten am Emerald Lake, berühmt für sein türkisfarben leuchtendes Wasser.

 

Es gibt noch eine Sehenswürdigkeit bei Carcross und diese ist vor allem für Anthony und Foppolo das Tollste. Eine Sehenswürdigkeit wo Hunde nicht an die Leine müssen und machen können was sie wollen. Los geht’s …toben, buddeln, toben, im Schatten kurz ausruhen und wieder toben, buddeln, toben … wir befinden uns im Carcross Desert, ein 260 ha großes Dünengebiet, die „kleinste Wüste der Welt“.

 

Mit supermüden Hunden fahren wir nun auf dem Klondike Highway nach Skagway. 23 km vor Skagway befindet sich der White Pass (1.003 m hoch) und markiert die Grenze zwischen Kanada und den USA. Wir passieren ganz unproblematisch in wenigen Minuten die Grenzstation und fahren am 31.5. zum zweiten Mal auf dieser Reise nach Alaska. Auf dieser Strecke ist ziemlich viel touristischer Verkehr und so kommt es zum kurzzeitigen kleinen Stau als ein Bär über die Straße möchte. Vor uns Autos und Wohnmobile, hinter uns Reisebusse und Wohnmobile. Fotoapparate klicken unentwegt. Alle verhalten sich so wie man es nicht machen sollte. Eine Frau steigt sogar aus und fotografiert mit ihrem Handy…, meine Güte, der arme Bär, aber uns scheint als wäre er den Rummel schon gewöhnt, was umso schlimmer ist. Ein Trucker macht dem ganzen ein Ende, er kommt angefahren, hupt laut und lang, der Bär verschwindet und alle fahren endlich weiter.

Die grandiose Landschaft durch welche wir mit Seen, Flüssen, Fjorden und hoch aufragenden Bergen fahren entschuldigt und rechtfertig unseren Abstecher in das ziemlich touristische Skagway. Die Stadt hat ca. 900 Einwohner, aber wenn die Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen, sind gleich mal an einem Tag 10.000 Menschen mehr da.

Die Geschichte von Skagway und Dyea (von Dyea ist heute leider nichts mehr zu sehen) begann im Juli 1897. Zu dieser Zeit trafen die ersten Boote mit Goldsuchern ein. Ein paar Monate später, im Oktober waren es schon 20.000 Menschen, die in Zelten und Bretterhütten hausten. Alle wollten nach Dawson City … sie mussten über den 1.110 m hohen Chilkoot Pass, dann auf dem Wasserweg weiter … über den  Bennett Lake, über den Tagish River, den Marsh Lake und dann auf den Yukon River bis Dawson City und zu den Klondike Goldfeldern. Über 30.000 Männer und auch einige Frauen machten sich im Winter bis hin zum Frühjahr 1897/98 auf diesen beschwerlichen Weg. Pflicht war pro Person einen Einjahres-Vorrat von 520 kg Lebensmittel und 180 kg Ausrüstung/Kleidung mit zubringen. Es dauerte etwa 3 Monate bis man alle seine Vorräte über den Chilkoot Pass Trail zum 53 km entfernten Bennett Lake gebracht hatte. Dann ging es mit selbstgebauten Booten und Flößen weiter …

 

Wir treffen am späten Nachmittag in Skagway auf Tanja und Philipp, die Beiden sind mit Motorrad auf Panamericana Tour und vor ein paar Wochen in Anchorage gestartet.    (www.aroundpanamericana.de ). Wir finden, sie haben sich eine ganz spezielle „Reise-Aufgabe“ gestellt. Philipp ist mit Leib und Seele Bierbrauer und so möchten sie gemeinsam so viele Brauereien wie möglich  besuchen. Das hört sich doch gut an.

Den ersten Abend sind wir auf verschiedenen Campingplätzen, am nächsten Tag treffen wir uns wieder und fahren zusammen nach Dyea auf den Nationalpark Campingplatz. Wir verbringen einen sehr gemütlichen Abend am Lagerfeuer, es gibt viel zu erzählen und wir lassen uns gern vom 20 Jahre Jüngeren in die Geheimnisse der Brauerei einweihen. Und hoffen das die Reisetipps von 20 Jahre Älteren nicht zu sehr genervt haben 😉

Tanja und Philipp wollen am nächsten Tag weiter, wir verplaudern den ganzen Vormittag, über den Mittag, es wird 13 Uhr als wir endlich vom Campingplatz runterfahren. In Skagway an der Bücherei am Internet Hotspot treffen wir uns nochmal kurz und verabschieden uns dann herzlich voneinander. Wir laufen noch eine Runde durch die Stadt und beantworten immer und immer wieder die Frage nach der Hunderasse von Foppolo und Anthony. Am Vortag bei unserer ersten Runde war es schon genauso. Die Beiden sind jetzt auf jeden Fall auf den Fotos der meisten Kreuzfahrturlauber.

Wir fahren die 10 km zurück nach Dyea und noch ein kleines Stück weiter hinter nach Dyea Flats auf den kostenlosen Campingplatz, hier genießen wir die Ruhe und hängen gleich noch einen Tag dran.

 

Auf dem Klondike Highway geht’s Retour nach Kanada ins Yukon Territory. Wir übernachten wieder in der Nähe von Carcross, diesmal am Chootla Lake. Am nächsten Vormittag stoppen wir nochmal an der kleinen Wüste (da ich ja gerne das Auto auskehre…) und auch am alten Übernachtungsplatz am Emerald Lake. Dort hat Anthony seinen kleinen Teddy liegengelassen. Es wäre wirklich traurig um ihn, ihn zerkatscht, mehrfach genäht und geflickt einfach am Waldboden zurückzulassen. Jippije der Teddy wird auch gleich mit großer Freude gefunden und die Fahrt nach Withehorse kann weitergehen.

Nicht weit außerhalb von Withehorse  finden wir am Miles Canyon einen kleinen Stellplatz für unser Buschtaxi mit Blick auf den Yukon River. Von den einst gefürchteten Stromschnellen des Canyons hat Withehorse seinen Namen, sie erinnerten die Goldsucher an die wehende Mähne eines Schimmels. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, ein Stausee ließ die Rapids verschwinden. Wir werfen trotzdem von einer Hängebrücke einen Blick in den Canyon. Auf unserem Weg in die Stadt stoppen wir kurz an einer Wasserflugzeug Station, eine Gruppe Schweizer sortieren und packen ihre Ausrüstung um sich samt Kanu für eine drei wöchige Tour in die Wildnis fliegen zu lassen. Dann schauen wir auf dem Campingplatz vorbei, wo Tanja und Philipp Station machen wollten. Sie sind tatsächlich noch da, beladen aber schon das Motorrad für die Weiterfahrt, wovon wir sie fast eine Stunde abhalten. Nun werden sich unsere Wege nicht nochmal kreuzen, sie ziehen weiter gen Süden.

Nach sämtlichen Erledigungen in der Stadt ziehen auch wir auf dem Klondike Highway weiter Richtung Norden. Am Lake Laberge, eine Erweiterung des Yukon Rivers zum See, gehen wir auf einen staatlich verwalteten Campingplatz der Yukon Parks. Diese kosten immer 12 Dollar, es gibt Wasserpumpen, Plumsklo und Feuerholz frei, welches in Verschlägen bereit liegt. Um die kurzen Stämme spalten zu können, muss man nur eine gescheite Axt dabei haben. Das ist ja kein Problem für Lars und er erfreut sich zusammen mit „ Yukon Jack“ über ein prächtiges Lagerfeuer.

Wir durchfahren Carmacks, dieses Dorf mit 400 Einwohnern wurde benannt nach einem der Männer, die hier 1896 Gold fanden. In einer Baracke ist gleichzeitig die Post und ein Imbiss untergebracht. Die Frau die den Imbiss führt, verkauft auch ihr selbstgebackenes Brot und Kekse. Wieder freuen wir uns über das frische Brot und bevorraten uns (natürlich auch mit den Keksen).

25 km weiter nördlich gefahren gibt es einen tollen Blick auf den tückischen Abschnitt mit Stromschnellen des Yukon Rivers, die Five Finger Rapids. Hier kam so mancher Goldsucher auf seinem Weg nach Dawson City leider ums Leben. Auch heute ist noch die Frage für die Kanufahrer, ob links oder rechts die bessere Passage durch die Stromschnellen ist.

Wir finden direkt am Fluss einen tollen Übernachtungsplatz und Lars geht mal wieder, diesmal im Yukon River, baden. Hier ist der Fluß noch wunderbar klar, später wird er durch den mitgespülten Sand und Schlamm zu einer eher bräunlichen Brühe. Es ist bereits der 7. Juni und wir merken deutlich, wie es von Abend zu Abend, je nördlicher wir fahren, immer länger hell bleibt und die Sonne bis 23 Uhr noch hoch am Himmel steht. Nicht mehr lange und wir sehen die Mitternachtssonne.

Am nächsten Vormittag laufen wir den ca. 1,5 km langen steil abfallenden Pfad hinunter zu den Stromschnellen der Five Finger Rapids. Von der Aussicht aus wirkt das ganze gar nicht sonderlich gefährlich, aber ich möchte trotzdem nicht da durchfahren müssen.

 

Der Wetterbericht verspricht für die nächsten Tage Sonnenschein und so beschließen wir ein paar Tage in der Gegend zu bleiben und finden ein schönes Plätzchen am Frenchman Lake. Die Sonne meint es durchweg sehr gut mit uns, so dass wir uns abends um 10 noch vor lauter Hitze in den Schatten setzen müssen. Das Lagerfeuer haben wir nur für uns als Abendprogramm an, dran sitzen können wir nicht. Lars geht in regelmäßigen Abständen bis nach 24 Uhr im See baden zur Abkühlung. Tagsüber machen wir ein paar kleinere Kanuausflüge, wir versuchen ein Sonnensegel aufzustellen, damit unser kleiner schwarzer Anthony im Schatten liegen kann. Es scheint ihm zu gefallen und auch alle anderen genießen es in einer herrlichen Ruhe über den Frenchman Lake zu schippern.

 

So gut ausgeruht sind wir bereit für den Dempster Highway, er zweigt ca. 40 km östlich von Dawson City vom Klondike Highway ab. Nach Inuvik, das nördlichste Ziel Kanada‘s, sind es 735 km Schotterpiste. 2008 haben wir auch schon diese Strecke absolviert, wir hatten damals megaschlechtes Wetter und sahen furchtbar eingedreckt aus, wir waren innerhalb von zwei Tagen in Inuvik und sind 3 Tage später an einem sonnigen Tag die ganze Strecke zurückgefahren. Diesmal wollen wir uns mehr Zeit nehmen und hoffen natürlich auf schönes Wetter. Insgesamt verbringen wir 8 Tage in dieser Einsamkeit des hohen Nordens. Naja ganz so einsam ist es nicht, es gibt ein paar Trucks, welche die einzigen drei Ortschaften auf der Strecke versorgen und jede Menge Touristenfahrzeuge die sich dem Schotter Highway Abenteuer hingeben. Nichtsdestotrotz folgen wir mit Begeisterung der abwechslungsreichen Streckenführung durch grüne Täler, kahle Gebirgszüge und riesige Tundragebiete. Am Anfang führt die Strecke durch den Tombstone Territorial Park, wo wir auch unsere erste Nacht auf dem Campingplatz verbringen, er liegt 11 km südlich der North Fork Passhöhe (sie ist 1.289 m hoch). Lars lässt es sich nicht nehmen und macht am Nachmittag einen Lauf zusammen mit Foppolo Richtung Passhöhe. Ein grandioser Weitblick auf die Ogilvie Mountains begleitet ihn. Total verschwitzt nach 300 Höhenmetern und total begeistert kommt er zurück. Kurze Außenduschung neben dem Buschtaxi und gleich darauf brennt auch schon das Lagerfeuer. An den ersten zwei Tagen zeigt sich die Tierwelt ziemlich bedeckt, doch am dritten Fahrtag am späten Nachmittag entdecken wir am Straßenrand eine Bärenmutter mit ihren drei Jungen. Sie checkt gerade, ob die Straße zum Überqueren rein ist. Wir halten mit genügend Abstand an, die Hundis sind super ruhig und tatsächlich spazieren sie vor uns rüber. Wir können es kaum fassen, was für ein Erlebnis. Sie verschwinden im Gebüsch, wir bleiben noch stehen und da tauchen sie noch näher an uns wieder am Straßenrand auf. Eine Beobachtung die wir nicht vergessen werden. Die nächste Tierbegegnung gibt es gleich am selben Abend. Am Eagle River haben wir einen schönen Wildstellplatz gefunden. Wir liegen alle Vier schon in der Koje, auf einmal schlagen Foppolo und Anthony wie wild an, sie sind außer sich. Lars schaut raus und sieht direkt neben dem Auto einen ziemlich großen Wolf stehen. Das ist ja echt krass. Ich mache erstmal schnell ein Foto durch die Gaze, er streift umher, da mache ich die Dachluke auf und kann noch ein Foto ohne Netz vor der Linse machen. Der Wolf verschwindet um die Ecke ins Gebüsch, dafür haben wir jetzt die Mücken im Auto. Lars ist es für einen kurzen Moment etwas anders, denn er läuft mit den Hunden immer ohne Leine. An die Bären denken wir ja ständig, aber Wölfe ….

An unserem dritten Tag erreichen wir nach 405 km den Polarkreis und überqueren eine Stunde später am Wright Pass auch die Grenze vom Yukon Territory ins Northwest Territory, es hat eine Fläche von 1.346.106 km² … Permafrost kennzeichnet den größten Teil der Fläche. Der Dempster Highway ist auf einem dicken Fundament aus Schotter gebaut, um den Permafrostboden darunter zu isolieren. Wir stehen im dicken Nebel am Schild, vielleicht haben wir auf dem Rückweg mehr Glück. Und dann kommt es wie es wahrscheinlich kommen musste, wir haben unseren allerersten Platten auf dieser Reise. Diese Piste ist bekannt für geplatzte Reifen. Eigentlich waren wir nur für ein Picknick von der Piste runtergefahren, Lars steigt aus und entdeckt den Plattfuß. Es muss gerade erst passiert sein, ein dicker Nagel steckt im Reifen. Eine halbe Stunde später ist alles wieder paletti, Räder gewechselt und nach einer Stärkung geht die Fahrt weiter. Wir überqueren mit der ersten Fähre den Peel River, finden wieder einen tollen Stellplatz (was hier wirklich nicht schwer ist) und am nächsten Tag mit der zweiten Fähre den Mackenzie River. Im Winter werden die Fähren durch Eisbrücken ersetzt. Am 15.6. erreichen wir Inuvik, hier geht zwischen dem 25. Mai und 18. Juli die Sonne nicht unter, dafür geht sie vom 6. Dezember bis 5. Januar gar nicht auf. Wir bleiben eine Nacht auf dem Campingplatz in der Stadt, in der ca. 3.500 Einwohner (Déné-Indianer, Inuit und Weiße) leben. Nun heißt es 735 km wieder Retour. Für die erste Übernachtung auf der Rückfahrt nehmen wir gleich nochmal den letzten Stellplatz der Hinfahrt und bekommen am Abend noch deutsche Nachbarn, die auf dem Weg nach oben sind. Das Wetter ist super diese Tage, wir freuen uns riesig so ein Glück zu haben. Für die nächsten zwei Nächte suchen wir uns neue Plätze und bekommen am letzten Morgen auf dem Dempster Überraschungsbesuch. Ein großes Wohnmobil hält an der Seite, zwei Leute und ein Hund steigen aus und kommen auf uns zu. Also ich sehe es nicht, denn ich liege noch im Bett, Lars berichtet mir von draußen mit der Zahnbürste im Mund. Er wird begrüßt mit einem „Hallo Lars“, für einen kurzen Moment ist er total verdutzt, doch dann fällt auch gleich der Groschen. Wir haben die Schweizer Joe, Iris und ihre Hündin Juvi am 24.12. in Mexiko auf dem Campingplatz in Catemaco kennengelernt. Sie haben unsere letzten Einträge im iOverlander gesehen und waren uns jetzt sozusagen auf den Fersen. Hatten uns auch schon eine Mail geschrieben, dass wir uns vielleicht auf dem Dempster begegnen. Diese Mail konnten wir aber noch nicht lesen. Wir verbringen ein sehr geselliges Frühstück miteinander. Ein halbes Jahr später gibt es doch eine Menge auszutauschen. Das war ein gelungener Abschluss des Dempsters.

 

Auf nach Dawson City … als erstes passieren wir am späten Nachmittag am Rande der Stadt riesige Kiesabraumhalden, verursacht durch die Goldsucher. Eigentlich gibt es am Aussichtspunkt Midnight Dome, von wo man einen tollen Rundumblick knapp 600 m über der Stadt hat, ein schönes Übernachtungsplätzchen, aber es ist einen Abend vor der Sommersonnenwende und es soll hier oben in den Nächten ziemlich viel los sein. Da suchen wir uns lieber einen anderen Stellplatz. Die Campingplätze in der Stadt sind auch megavoll und so setzen wir schon das erste mal mit der kostenlosen Fähre über den Yukon und finden ein paar Kilometer weiter eine Stelle. Am nächsten Morgen geht’s wieder zurück in das Goldrausch Städtchen und wir checken erstmal im Dawson City RV Park ein, wir wollen am Abend mal ausgiebig Internet nutzen (welches dann leider fast gar nicht funktioniert) und ausgiebig duschen (was aber leider zeitlich begrenzt ist durch extra Bezahlung). Danach schlendern wir eine erste Runde durch die unbefestigten Straßen, durch die sich 1898 über 30.000 Goldsucher wälzten. Wir tauchen für zwei Tage in die Geschichte der Stadt ein. Besuchen das Museum, besichtigen einen Schaufelraddampfer die SS Keno. Er gehörte zu einer Flotte, welche die Flüsse des Yukon-Territoriums in einer Zeit ohne Highways ein halbes Jahrzehnt befuhren. Wir schauen uns Jack Londons Hütte, eine Fotoausstellung der damaligen Fotografen sowie das historische Feuerwehrmuseum an.

Die nächste Nacht verbringen wir wieder auf der anderen Seite des Yukons an einem freien Stellplatz. Vorher haben wir uns per Internet mit Sarah und Christian ( www.maximundo.ch ) ausgetauscht, wer wo ungefähr ist und es scheint, als würde an diesem Abend ein Treffen klappen. Denn sie kommen aus Alaska über den Top of the World Highway nach Dawson City. Wir kennen sie noch nicht persönlich. Katrin und Robert (www.trailsurfers.net) hatten sie im Big Bend Nationalpark (Texas), bevor wir dort von Mexiko kommend eintrafen, kennengelernt.

Es ist schon ziemlich spät als wir uns einrichten und gerade was kochen wollen, hupt es laut von der Straße und Maxi kommt angerollt. Super, sie hatten schon gedacht, dass sie uns verpasst haben. Es gibt megaviel zu erzählen, wir merken gar nicht, wie die Zeit vergeht und spät es eigentlich schon ist. Nachts halb 3 und noch taghell. Nur die Kälte treibt uns dann doch in unsere Betten. Wir beschließen noch einen Tag auf unserem Übernachtungsplatz zu bleiben. Sarah und Christian fahren mit ihren Fahrrädern in die Stadt, wir machen einfach mal nichts. Doch Lars und die Hunde machen doch was, sie gehen eine Runde auf dem Top of the World Highway joggen (dazu kommt man schließlich nicht jeden Tag). Abends sitzen wir wieder seeeehr lange mit dem ein oder anderen Getränk gemütlich am Lagerfeuer.

Die maximundos fahren wieder Richtung Süden und für uns heißt es am 24.6. über den Top of the World Highway endlich auf nach Alaska Mainland.

Davon dann im nächsten Bericht …

Ganz liebe Grüße von uns Vieren