2015 - 2016 Kanada/USA/Mexiko, Mexiko, Reiseberichte und Fotos

Von nun an wieder gen Norden, vom tropischen Süden ins trockene Hochland Mexikos

Wir verlassen nun doch, sehr wehmütig, unseren Ort der Entspannung auf Yucatan. Insgesamt 15 Tage haben wir auf dem Campingplatz in Calderitas am karibischen Meer verbracht. Es ist der 29.1.16 als wir uns verabschieden und uns wieder auf den Weg nach Norden aufmachen. Wir stoppen nochmal am Pollo Asado Stand, wo wir schon mit Elli und Körni zusammen gesessen und gegessen haben. Diese gegrillten Hühnchen schmecken uns besonders gut, denn überall wird anders gewürzt. Wir nehmen uns eine Portion mit und wollen sie als Abendbrot vertilgen.
Unser Übernachtungsziel für den ersten Fahrtag gen Norden ist ein Campingplatz angelegt wie eine Art botanischer Garten im Dschungel. Wir haben uns grad eingerichtet da kommen noch zwei Campmobile angefahren, es sind Kalle, Gi, Uwe und Erika mit ihren Hundis. Das hallo ist groß und dieses hallo wird es in den nächsten Wochen öfters geben, denn wir werden uns noch mehrmals wiedertreffen, sind die Vier doch auch wieder Richtung Norden unterwegs.
So soll es schon am nächsten Tag sein, auf dem Campingplatz bei den Maya-Ruinen von Palenque. Lars schließt sich der Vierergruppe an um mit ihnen gemeinsam die Pyramiden im tropischen Regenwald anzuschauen, ich bleibe bei den vier Hundis auf dem Campingplatz. Die Urwaldstadt stammt aus der Zeit von 300 bis 900 n.Chr. Erste Ausgrabungen der vom Dschungel verschlungenen Mayastadt begannen 1786. Nach einem mehrstündigen Rundgang hüpfen erstmal alle in den Pool vom Campingplatz, das kühle Wasser ist eine angenehme Erfrischung, abends sitzen wir in gemütlicher Runde beisammen. In der Nacht geben die Brüllaffen wieder ihr bestes, derartig laut schallt das Geschrei durch den Urwald.

 

Wieder eine Verabschiedung von Kalle+Gi und Uwe+Erika … bis bald. Wir müssen mal kurz nach Guatemala …denn unser Auto darf sich in der Zollunion Kanada/USA/Mexiko am Stück nur ein Jahr aufhalten, da wir aber 1 ½ Jahre bleiben wollen reisen wir eben mal aus, so dass die Zeit wieder neu zählt. An der Grenze ist ein ganz schönes Menschengewusel, links und rechts Marktstände mit Essen, Klamotten, Schuhen und allerlei Plastikkram (was der Mensch nicht braucht und später leider in der Natur landet). Wir erledigen problemlos unseren Ausreise-und Einreisepapierkram, für die Hundis interessiert sich niemand, dem Toyota werden von den Guatemalakesen die Räder vom mexikanischen Dreck desinfiziert. Bei der Wiedereinreise nach Mexiko machen das die Mexikaner natürlich auch mit der Desinfektion der Räder, denn sie wollen ja auch kein Ungeziefer aus Guatemala. Wir fragen uns auf welcher Seite der Länder der meiste Dreck, Unrat und Müll liegt …
Wir übernachten nicht weit hinter der Grenze, auf dem Parkplatz von einem Hotel. Am nächsten Morgen geht’s schon wieder Retour nach Mexiko.

 

Ganz gut in der Zeit fahren wir bis San Cristobal de las Casas, ein Campingplatz befindet sich am Stadtrand und bereits schon dort sind Kalle, Gi, Uwe und Erika. Okay, wir hören jetzt auf unsere Wiedersehen zu zählen. Einen Stellplatz gibt’s für uns neben einem ehemaligen schweizer Feuerwehrauto, ein Ford Transit. Es gehört Sabrina und Deniz die soeben von ihrem Stadtbummel zurück gelaufen kommen. Wir haben gleich einen guten Draht zu unseren Nachbarn und auch Foppolo und Anthony freuen sich über die freundliche Zuneigung der Beiden. Die Stadt liegt auf 2170 m Höhe, es ist ziemlich kühl, eigentlich ist uns richtig kalt, wie schon sehr lange nicht mehr. Wo sind Socken und Fleecejacke? Es ist wie im Herbst. Am Abend knallt es mal wieder mächtig, wir haben keine Ahnung warum in Mexiko allabendlich Böller in die Luft geschossen werden. Foppolo flüchtet vor diesem Lärm immer ins Auto, in seine Höhle, aber was macht er jetzt, mit einem Satz springt er ins rote Feuerwehrauto und liegt bei Sabrina und Deniz im Bett. Oh je oh je. Mit Engelszungen lässt er sich überreden das Auto zu wechseln und sich in seine Koje zu legen.
Der nächste Tag ist ein Campingplatz-Hunde-Tag, wir sind die letzten Tage viel gefahren und hier ist eine tolle große Wiese zum rumlaufen und es gibt nette Hunde hier auf dem Platz die mit Anthony und Foppolo kräftig rumtoben. Sabrina und Deniz bleiben auch noch und wir beginnen mit einem gemeinsamen, hervorragenden Pancake Frühstück mit viel frischem Obst. Danach verrichtet jeder so seine Dinge, Lars muss zum Beispiel unsere Standheizung reparieren, irgendwie hat sie nach wochenlangen Stillstand, keine richtige Lust zum anspringen. Sie sollte schon funktionieren, wir wollen ja noch nach Alaska. Zwischendurch wird geplaudert und sich ausgetauscht. Nach so einem Relaxtag, sind wir bereit für einen Stadtbummel und ziehen am nächsten Vormittag los. Das Schöne ist, wir können direkt vom Campingplatz loslaufen, es ist nicht weit bis ins Zentrum. Wir schlendern durch die Fußgängerstraßen und werden immer wieder angesprochen, was wir für schöne, große Hunde haben und ob sie gestreichelt werden dürfen. Überall in der Stadt wird der Papstbesuch angekündigt, an den Kirchen hängen große Plakate, vor einem argentinischen Restaurant steht er als Pappstatur. In einer Woche landet er in Mexiko City. Am Zócalo angekommen, der Platz ist der Treffpunkt der Stadt, mit seinen schattenspendenden Bäumen und Palmen, machen wir eine lange Pause und lassen uns frische Gebäckstückchen von einem französischen Bäcker schmecken. Wir kaufen auch noch gut aussehendes Brot (es könnte doch Vollkorn sein) und Baguette (es könnte auch später noch knusprig sein), Deniz kocht für uns Vier einen Gulasch, da passt das doch gut dazu. Zum späten Nachmittag sind wir zurück, da ist die Gulaschkocherei schon im vollen Gange, es riecht superlecker und das ist er auch, als wir dann Abends wind-und kältegeschützt in unserem Zelt sitzen und das Essen genießen.

 

Verabschiedung und weiter geht’s kurvige Straßen durch die Berge. In unserer iOverlander App ist ein Übernachtungsplatz in einem Kinderheim eingetragen, sie haben 5 Plätze für Camper und dafür kann man eine Spende fürs Heim geben. Das machen wir natürlich sehr gern. Von weitem werden wir von den Kids beobachtet, sie trauen sich wegen den Hunden nicht richtig ran. Erst nach mehrfacher Ermutigung siegt die Neugierde und Anthony wird gestreichelt.
Vorbei an Agavenfeldern, welche Lars schon die Mezcal-Brennereien ankündigen, fahren wir aber erstmal bis Hierve el Agua (kochendes Wasser). Wir stehen am Abhang und blicken in eine grandiose Landschaft, direkt unter uns befinden sich natürliche Becken mit 22-25 Grad warmen Wasser, dessen mineralische Ausscheidungen zu gelb, braunen, weißen Wällen und Terrassen versintert sind, welche aussehen wie ein versteinerter Wasserfall. Auf dem Rückweg durch die Berge, stoppen wir natürlich an einer Mezcal-Brennerei, es ist Vormittag und deshalb fällt die Verkostung sehr klein aus, aber man schmeckt doch sofort den Unterschied zum Tequila heraus, Mezcal ist uriger und viel rauher und rauchiger. Es wird eine andere Agavenart verwendet und berühmt wurde der Schnaps durch einen in der Pflanze lebenden Wurm, welcher als Echtheitsbeweis mit in die Flasche kommt. Wir schauen uns in einem kleinen Rundgang die Herstellung an. Zuerst werden die Agavenherzen in einer riesigen Glut 7 Tage lang weich gebacken, dann durch ein Pferd angetriebenen Mahlstein 7 Stunden zermahlen, in der Fermentation bleibt die Agavenmaische 20 Tage, danach wird destilliert und gelagert. Ein Reposado lagert ein halbes Jahr, ein Anejo 2 Jahre. Salud!

 

In Oaxaca haben wir eine Verabredung, nach 3 Monaten treffen wir uns mit Rini und Rico (Itchywheels.de) wieder, sie haben ihr Team verstärkt, Hündin Zora, von der Baja California reist jetzt mit ihnen. Wir alle freuen uns total über das Wiedersehen. Foppolo und Anthony natürlich umso mehr über Zora. Rini und Rico staunen nicht schlecht das Anthony seine Größe verdreifacht hat. Gemeinsam laufen wir durch die autofreien Straßen der 1540 m hoch liegenden Stadt, die Innenstadt von Oaxaca ist denkmalgeschützt und zählt zum Weltkulturerbe. Es ist ziemlich viel los an Menschen, es ist eine der meistbesuchten Städte Mexikos, aber es macht uns trotzdem Spaß alles, oder fast alles zu erkunden. Wir stöbern an Marktständen, laufen durch eine Markthalle, was eine ziemliche Herausforderung für Rini ist mit dem vielen herumhängenden Fleisch und herumliegenden Hühnern, denn sie ist Vegetarierin, wir schauen einer pompösen Hochzeit zu, welche mit megalauter Blasmusik begleitet wird und machen am üblichen Mittelpunkt, dem Zócalo, eine Pause, für die Mädels mit lecker Kuchen essen, den wir aus einer Glasvitrine am Straßenrand gekauft haben. Für die Jungs gibt’s natürlich später auch noch was Herzhaftes zu Essen, Chorizo (Wurst) mit Kartoffel. Zurück auf dem Campingplatz trotzen wir dem stürmigen Wind, kochen und essen gemeinsam Fisch mit Gemüse und sitzen noch lange draußen zum plaudern.
Ich hab ja noch gar nicht erwähnt, dass Kalle, Gi, Uwe und Erika auch mit auf dem Campingplatz sind, sie kamen zwei Tage nach uns an. Zu den Vieren sagen wir lachend bis zum nächsten Mal, aber Rini und Rico werden wir so schnell nicht wiedersehen, sie reisen weiter Richtung Südamerika. Wir verabschieden uns mit einem weinenden und einem lachenden Auge voneinander.

 

Und da es so schön ist alte Bekannte wiederzusehen, klappt es gleich nochmal mit einem Treffen, Dagi und Manni warten auf uns in Teotihuacán. Mit den Beiden ist es schon 4 Monate her, als wir uns im Bryce Canyon NP adieu sagten, damals hatten wir vor lauter Kälte, Dagis selbstgestrickte Mützen auf.
Auf dem Weg nach Teotihuacán durchqueren wir eine Schafzuchtgegend, dementsprechend gibt es auch Straßenstände mit Schafsgerichten. Mal nicht Hühnchen vom Grill, oder Tacos, nein richtig lecker gegartes Schaf, ein halbes Kilo für zwei Personen zur Mittagspause. Sehr fein. Foppolo und Anthony warten im Auto und können es kaum erwarten, dass wir wieder da sind bzw. wir die Rester vom Mittagessen weitergeben.
Wir fahren noch ein Stück Autobahn, eine sehr schöne Strecke durch die Berge, immer über 2000 m Höhe. Und wie so oft in Mexiko laufen Menschen am Randstreifen entlang, wo auch immer sie hinwollen, wir empfinden es als sehr gewagt.
Zum Nachmittag kommen wir auf dem Campingplatz in Teotihuacán an, Dagi und Manni kommen kurze Zeit später mit dem Bus aus Mexiko City. Sie hatten ihr Auto auf dem Campingplatz stehen gelassen und waren 3 Tage in der Stadt. Was für ein Hallo und noch ein größeres Hallo über Anthony, den sie ja noch kleiner kennen als die Itchys.
Es gibt soviel zu erzählen, auszutauschen und zu lachen, dass wir von Mittwoch bis Samstag bleiben. Mittwochabend testen wir die Kneipe gegenüber vom Campingplatz und sind begeistert, es gibt super lecker und preiswerte mexikanische Küche, das Dessert lacht uns Frauen von der Theke an, ein Schokotörtchen, für das wir eine halbe Stunde brauchen, so reichhaltig (an Kalorien) ist das. Donnerstag gehen wir zwei Dagis zum Friseur um die Ecke, ich will eigentlich nur Gesellschaft leisten, setzte mich dann aber nachdem Dagi fertig ist auch noch hin zum Haare schneiden. Nach 8 Monaten nicht beim Friseur und für umgerechnet 9 Euro kann ich mir das mal gönnen. Am Abend gehen wir nochmal in die Kneipe von gegenüber, mit dabei sind auch Uwe und Erika (Kalle+Gi kommen erst am nächsten Tag) und John und Mandy aus Kalifornien. Ein schöner gemixter Overlander Abend. Der Freitag geht genauso schnell um wie der Donnerstag, wir laufen gemeinsam über den Markt, denn wir wollen grillen, mit Fleisch, Gemüse und Kartoffeln im Beutel geht’s zurück. Die Männer legen sich dann am Doppelgrill auch richtig ins Zeug, alles ist superlecker.
Und schon naht wieder die Verabschiedung, Lars bekommt von Dagi auch noch eine selbstgestrickte Mütze geschenkt, na da sind wir ja gewappnet für Alaska. Es ist schon fast Mittag als wir dann doch mal losfahren (Dagi und Manni weiter Richtung Süden) und diesmal verabschieden wir uns auch intensiver von Uwe, Erika, Kalle + Gi , denn sie fahren ab jetzt eine andere Strecke gen Norden als wir.

 

Knapp 300 km sind es bis ins 1900 m hoch liegende San Miguel de Allende, einen Campingplatz gibt es direkt am Stadtzentrum gelegen, den wir trotz vorhandener Koordinaten nicht gleich finden. Nach drei Runden um den Block entdecken wir dann doch in einer schmalen Straße das Eingangstor. Es ist später Nachmittag, wir stellen nur das Auto auf den Stellplatz und laufen bis zur Plaza. Die farbigen Häuser leuchten in der untergehenden Sonne und auch das rosarote Gestein der imposanten Pfarrkirche aus dem 17. Jh. wird herrlich angestrahlt. Doch leider müssen wir dem Autor unseres Reiseführers Recht geben, er schreibt von einer überreizten Touristenatmosphäre in der mexikanischen Bilderbuchstadt. Wir bleiben nur eine Nacht, was wahrscheinlich völlig untypisch „Overlander“ ist, der Campingplatz ist eher bekannt als Langzeitstellplatz. Nur 70 km weiter liegt Guanajuato (über 2000 m hoch), Mexikos schönste Minenstadt, älteste und ehemals reichste Silberstadt (16.bis 19.Jh.). Eine Mine ist noch heute in Betrieb, außer Silber werden noch andere Erze wie Nickel und Blei gewonnen. Die Hauptdurchgangsstraße ist ein langer, unterirdischer Tunnel, mit vielen weiteren abzweigenden dunklen Tunnelstraßen, immer wieder kommt man mal an die Oberfläche und sieht über sich bunte überhängende Balkone. Als wir die Geisterfahrt beendet haben, ist es oberirdisch nicht weniger spannend, wir fahren durch enge Sträßchen und dann geht es megasteil eine Gasse hoch, daß Lars die Getriebeuntersetzung zuschalten muss. Puh, geschafft, wir sind am Campingplatz angekommen. Wir haben einen schönen Blick auf einen Teil der Stadt, auf farbenfroh getünchte Häuser, eine Vorliebe der Mexikaner.

 

Jetzt geht es für uns das letzte Stück durch den Norden über das Hochland von Mexiko. 3 Tage fahren wir durch Kakteenlandschaft. In einer größeren Stadt finden wir einen Tierarzt und lassen uns für die Hundis Gesundheitszeugnisse ausstellen (welche ein paar Tage später an der Grenze niemanden interessieren). Die Landschaft wird immer bergiger, die letzte Nacht in Mexiko verbringen wir auf einem Campingplatz für Kletterer. Am 26.2. überqueren wir zwischen den Städten Nuevo Laredo und Laredo die Grenze, welche genau auf der Brücke über den Fluss Rio Grande ist. Wir sind in Texas. Die kommenden Tage wird uns der Grenzfluss Rio Grande begleiten, wir sind auf dem Weg in den Big Bend Nationalpark, er befindet sich direkt an der Grenze. Dort warten schon Katrin und Robert mit Hündin Quanna auf uns, aber das ist der nächste Bericht. Jetzt genießen wir erstmal wieder seit langer Zeit eine leise, ruhige Nacht am Rande der Eagle Pass Road.
Ganz liebe Grüße von Lars, Dagmar, Foppolo und Anthony

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

You may also like...

Popular Articles...