Von einer Fahrt durch drei Provinzen Kanadas in den Frühling, von Rubinkehlkolibris und anderen wilden Tieren


Wir entscheiden uns nach dem Besuch im eher doch noch karg aussehenden Cape Breton Highlands Nationalpark auf Novia Scotia wieder die Richtung Süd-West einzuschlagen. Der erste Provinzwechsel, wir fahren nach New Brunswick, auf dem Fundy Coastal Drive wollen wir in den Fundy Nationalpark. Wir stoppen bei den Hopewell Rocks, Felsformationen, die sie Blumentöpfe nennen. Es ist zwar schon 17 Uhr, aber jetzt ist Ebbe und so können wir auf dem Meeresboden zwischen den Gebilden spazieren gehen. Bei Flut ragen nur die Spitzen aus dem Wasser, hier in der Bay of Fundy misst man mit bis zu 16 m Pegelunterschied zwischen Ebbe und Flut, der höchste Gezeitenhub der Welt (Nordsee um ca.2-3 m). Ein spannendes und sehr interessantes Schauspiel der Natur. Leider dürfen wir auf dem Parkplatz nicht übernachten, so heißt es noch weiter fahren und suchen. Bis jetzt (29.5.) haben wir ca.1500 km zurückgelegt, das sind Tagesetappen zwischen 100 und 300 km. Ein Nachtlager ist manchmal gar nicht so einfach zu finden, da die Küste doch recht eng besiedelt ist. Auf dem Coastel Drive ist nun der Abend auch erreicht und die Suche ziemlich ermüdent, da sieht Lars noch im letzten Augenblick ein Schild „Shire Camping – Free Camping“. Es ist ein wunderschönes Plätzchen, hat bisschen was von Hippieromantik. Der Besitzer Don begrüßt uns herzlich und seine Hündin Sally begrüßt den Foppolo herzlich. Wir bekommen einen goldenen Sonnenuntergang über das Natur-Feucht-Reservat zu sehen mit vielen verschiedenen Vogelstimmen.
Am südöstlichen Parkeingang befindet sich das kleine Fischerdorf Alma, wir kaufen ein paar Vorräte ein und während Lars unseren Wassertank auffüllt, spaziere ich mit Foppolo zum Minihafen, es ist grad wieder Ebbe, die Fischerboote liegen ziemlich auf dem Trockenen. Stundenlang müssen die Fischer warten, bis das Wasser wieder die Stege erreicht.
Im Nationalpark machen wir zuerst eine kleine Wanderung, bevor wir den Campingplatz aufsuchen, da für morgen das Wetter schlechter gemeldet ist, wollen wir den Sonnenschein ausnutzen. An einem Rastplatz genießen wir den Blick aufs Meer und hören auf einmal den superschnellen Flügelschlag eines Kolibris, wir sehen tatsächlich einen Kolibri in Kanada. Ich versuche mich mit fotografieren, ein Bild ist doch ganz gut gelungen, wirklich nicht einfach. Im Buch steht, es ist der Rubinkehlkolibri, überwintert im Golf von Mexiko. Wahnsinn und jetzt ist er schon hier in Kanada angekommen dieser winzige hübsche Vogel.
Am Abend auf dem Campingplatz lernen wir Mareike und Björn kennen, sie sind mit ihrem Defender unterwegs, dieser war auch mit auf unserem Frachter, nur die Beiden sind in Baltimore gestartet und auch selbst mit einem Schiff angekommen.
Der nächste Tag ist, wie die Wettervorhersage es angesagt hat verregnet. Wir fahren weiter, eine ziemlich einsame, öde, wenn man anhält mit tausenden Black Flies umherschwirrende Strecke. Diese kleinen wie wild in die Haut beißenden Fliegen gibt es im Wald wo kein Wind geht, an der Küste hat man zum Glück seine Ruhe vor ihnen.
Wir sind nun an der Südostküste auf dem Acadian Coastal Drive und besuchen den Kouchibouguac Nationalpark, der Name bedeutet „Fluss der langen Gezeiten“ und ist aus der Mi`kmaq-Sprache, ein Indianerstamm. Der Campingplatz ist riesig groß im Wald gelegen (was bedeutet viele beißende Fliegen) und wir fast die einzigen Gäste (es ist noch Nebensaison). Da wir erst spät abends angekommen sind und am Eingang keiner mehr da war, laufe ich am nächsten Morgen nach dem Frühstück mit Foppolo zur Rezeption um uns anzumelden. Auf dem Rückweg muß ich gleich am Anfang einen falschen Weg eingeschlagen haben, über eine Stunde suche ich unseren Stellplatz, meine Güte das ist mir auch noch nicht passiert, auf dem Campingplatz verlaufen. Wir haben Platz Nummer 51 und ich laufe umher bei Nummern 200-300, Foppolo möchte mir nicht helfen beim Suchen, er schnüffelt lieber in der Gegend rum was es so neues gibt. Irgendwann sehe ich eine Stelle am Fluss an der wir am Abend noch kurz waren, von da aus finde ich mich wieder zurück. Am Ziel angekommen, sehe ich ein paar Sorgenfalten auf Lars seiner Stirn, beim nächsten Alleingang, egal von wem, wird das Walkie-Talkie mitgenommen, für was haben wir das sonst mit, Reichweite immerhin bis 5 km (soweit möchte ich ja eigentlich nicht alleine gehen). Nachmittags laufen wir den Wanderweg am Fluss entlang.
Es geht weiter auf dem Acadian Coastal Drive, Frankreich nannte seine erste Kolonie auf dem neuen Kontinent Acadia, es erstreckte sich über das Gebiet der heutigen Provinzen Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island.
Lars möchte noch auf dem Weg an einer Tankstelle Luft aufpumpen, da er auf dem letzten Campingplatz (in der Zeit als ich mich ausruhte vom umherirren) die Reifen über Kreuz gewechselt hatte, damit sie sich gleichmäßig abfahren. Zu Hause war es von den Kilometern noch zu früh, jetzt waren 5000 km zusammen gekommen für den Wechsel. Wir parken am Tankstellenkompressor ein und sehen, dass wir für die Luft Geld einwerfen sollen, das möchte Lars nicht und wirft letztendlich seinen eigenen Kompressor an. Die Fahrt kann weitergehen. Einen Schlafplatz finden wir in einem kleinen Fischerhafen, die Boote schaukeln am Abend romantisch im Laternenlicht vor sich hin. Sehr zeitig in den Morgenstunden kommen die Fischer und fahren hinaus zum Hummerfang. Ein Mann sagte uns abends, hier würde es den besten Hummer geben, wir möchten trotzdem nicht probieren. Wir hätten auch gar nicht so einen großen Topf dabei um ihn kochen zu können. Als wir gegen Mittag weiterfahren, sind die Fischer noch nicht wieder zurück.
In der nächsten großen Stadt, das ist Miramichi, kaufen wir das erste Mal Hundefutter nach. Es war doch gar nicht so einfach einen Laden zu finden der Foppolos Futter verkauft. Wir hatten extra schon zu Hause auf eine kanadische Marke umgestellt, aber wahrscheinlich ist sie zu gut, dass sie nicht in allen möglichen Läden verkauft wird.
Es ist der 3.Juni unser 18. Reisetag, knapp 3000 km sind gefahren. Über eine große Brücke wechseln wir in die dritte Provinz auf der bisherigen Reise, nach Quebec, Unser erster Eindruck ist sehr positiv, wir sind auf der Gaspé-Halbinsel (30.000 km²), es gibt jede Menge Picknickplätze und Aussichtspunkte zum Genießen. Solche Stellen haben uns in Novia Scotia und New Brunswick gefehlt. An einem kleinen Strand finden wir eine Stelle zum Übernachten, in der Dämmerung sehen wir auf einmal nicht weit von uns entfernt, wie kleine Tierkinder miteinander rumtollen, es sind Kojoten, es dauert nicht lange kommt auch die Mutter aus ihrem Versteck. Wir können sie gut beobachten, die Mutter hat uns auch entdeckt und beobachtet uns ebenfalls.
Auf unserem weiteren Weg stoppen wir in Percé und schauen uns das Wahrzeichen der Gaspésie an, den Felsen Rocher Percé, er ist 438 m lang und 88 m hoch. Bei Ebbe kann man bis an den Stein laufen. Wir schlendern noch durch das Touristenörtchen und fahren nach einem Picknick weiter bis in den Forillon Nationalpark. Hier gehen wir wieder auf einen Campingplatz, unser Stellplatz hat eine wunderschöne Aussicht, aber es ist so stark windig, dass wir nur schlecht schlafen können. Am Cap-Bon-Ami wandern wir zu einem Aussichtsturm einen Berg hinauf. Foppolo hat wieder sein Glöckchen am Halsband, denn Schwarzbären sollen hier keine Seltenheit sein. Bären und Elchen begegnen wir nicht, aber wir dürfen ein Stachelschwein auf unserem Wanderweg beobachten. Foppolo ist total aus dem Häuschen, das Schwein muss einen besonderen Geruch von sich geben (vielleicht den einer läufigen Hündin?), er lässt sich kaum beruhigen, zum Glück ist er an der Leine. Wir sind dem Stachelschwein so ziemlich egal, es läuft vor uns her und biegt schließlich vom Weg ab ins Dickicht. Oben auf dem Turm haben wir eine grandiose Aussicht über diese fantastische Landschaft. Ein junger Mann genießt neben uns ebenfalls die Aussicht, wir kommen ins Gespräch, auf Deutsch, denn er ist Thüringer und studiert in Dresden, na so ein Zufall wieder.
Wir möchten nicht nochmal auf dem Campingplatz übernachten und fahren aus dem Nationalpark raus, weiter an der Küste entlang. Wiedermal ist die Schlafplatzsuche müßig, dann haben wir doch noch Glück, sehen ein Hinweisschild zu einem Leuchtturm, fahren von der Hauptstrecke ab, einen Schotterweg von ca.5 km und übernachten auf dem Parkplatz mit Blick aufs Meer. Der Leuchtturm ist von 1904, scheint nicht mehr in Betrieb zu sein, alles ist verriegelt und die Tür zugenagelt. Er ist aber schön anzuschauen in seiner leuchtenden, roten Farbe.
Durch einige Waldgebiete sind wir schon durchgefahren, wo wir uns gefragt haben, was das wohl für ein Netzwerk an Schläuchen ist, hin und her, von Baum zu Baum. Dann fällt es uns ein, so wird der Ahornsirup gezapft und befördert. Am Ende so eines Gebietes steht wie eine Art Bauwagen als Sammelstation.
Ein Abstecher bringt uns in das Innere der Halbinsel, es führen kaum ausgebaute Straßen, oder Schotterpisten hindurch. Wir übernachten noch vorm Parc National de la Gaspésie auf einer kleinen Waldlichtung. Am nächsten Tag fahren wir gegen Mittag in den Nationalpark, wir halten kurz an einer Ausfahrt eines Campingplatzes (um unseren Müll einzuwerfen) als neben uns ein Toyota hält, es sind Monette und Jacques aus Frankreich, schon seit einer ganzen Weile unterwegs und haben auch noch viel Zeit… Monette sagt uns im NP sind keine Hunde erlaubt, na toll, das wussten wir nicht. Nach unserer Plauderei halten wir noch kurz an der Info, ja sie hat wirklich Recht, die Monette. Also drollen wir uns wieder und sehen dabei noch unseren ersten Elch. In der Karte sehen wir einen See der sich gleich im Anschluss am Nationalpark befindet, da wir nun nicht wandern gehen können, ist das ja vielleicht unser See für den ersten Kanufahrtest in Kanada. Das Wetter ist super, die Sonne lacht, es ist fast windstill (und keine Moskitos unterwegs). Am Lac Sainte-Anne finden wir eine ideale Stelle zum Kanu einlassen. Unser Schlauchkanu ist in kurzer Zeit fahrfertig, alle Mann und auch Frau an Bord und die Fahrt kann beginnen. Herrlich ! Es scheint der gesamten Besatzung großen Spaß zu machen die Nase in den Fahrtwind zu halten. Wir genießen. Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, bekommen wir Hunger, nun wollen wir uns noch einen gemütlichen Abend machen und Spaghetti kochen, aber da kommt leider einer Rancher vom Chic-Chocs Reservat in dem wir uns befinden. Die Stelle an der wir stehen ist auch als Angelpunkt ausgewiesen, wahrscheinlich müssen sie hier kontrollieren ob alles in Ordnung ist. Er sagt uns, dass wir hier leider nicht übernachten dürfen, ein Stück außerhalb wäre kein Problem. Oh manno, alles zusammen packen und wieder drollen wir uns, aber vorher essen wir noch unsere Spaghetti und Foppolo sein Hühnchen. Lars hatte schon Bier getrunken (was eigentlich verboten ist an öffentlichen Plätzen), so fahre ich, zum Glück müssen wir diesmal nicht lang suchen und fahren nur ein paar Kilometer hinter das Reservat, etwas abseits von der Straße auf eine kleine Wiese. Nun ist ja nur noch das Bett zu machen und dann heißt es auch schon schlafen.

Liebe Grüße bis zum nächsten Bericht, dann schon aus der USA

Lars, Dagmar und der Foppolo

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