Kolumbien (2004)

21.09. Grenze zu Kolumbien / Pasto
22.09.-27.09. Popayan / San Agustin
27.09.-29.09. Tierradentro…

Am 21.09. waren wir frueh bei Zeiten an der Grenze, um moeglichst viel Zeit fuer die Erledigung der Formalitaeten zu haben. Als haetten wir es geahnt brauchten die ecuadorianischen Beamten tatsaechlich einige Stunden, bis sie wussten (oder auch nicht), was sie mit uns und den Motorraedern machen sollen. Von all den Laendergrenzen, die wir bis jetzt ueberschritten haben waren die von Ecuador am zeitintensivsten. Auch das Formular fuer die Verlaengerung interessierte keinen. Die Zeit fuer die Beschaffung haetten wir uns sparen koennen. Nach 4 Stunden endlich hatten wir unseren Ausreisestempel und einige Zettel mehr fuers Motorrad. Die kolumbianische dauerte 1 Stunde, wir schafften es dennoch in die Stadt Pasto zu fahren, welche wir uns als Tagesziel ausgesucht hatten. In einem laut Reisefuehrer empfohlenen Hostal, welches ziemlich im Zentrum liegt, ging ich nach einem freien Zimmer und Preis fragen. Lars und Max warteten an den Motorraedern. Als ich zurueckkam konnte ich die Jungs und die Motos kaum sehen. Es standen mindestens 50 Leute um sie herum, alle total neugierig, wer wir sind und natuerlich woher wir kommen und wie lang wir in Kolumbien bleiben.
Nach gut einer Woche in diesem Land gefaellt es uns ausgesprochen gut. Die Landschaft ist wunderschoen, tiefgruenes Huegelland, Wiesen und Waelder mit Farnen und Bambusdickicht. Gruen soweit das Auge reicht. Auch gibt es wieder interessante archaeologische Ausgrabungsstaetten zu besichtigen. So zum Beispiel in San Agustin 35 Statuen bis zu 5 m Hoehe. Der Beginn der San Agustin Kultur wird auf 3.300 v. Chr. datiert. San Agustin ist in Suedamerika die groesste und bedeutenste Ansammlung von Steinfiguren. Ueber den Ursprung der Kultur raetseln die Wissenschaftler, da es wie bei allen praekolumbianischen Kulturen Suedamerikas keine Geschichtsschreibung gibt. Man ist auf Funde (zum Bsp. Grabbeigaben) und vergleichende Forschung angewiesen. Vielfach erinnern die Figuren an die Chavin-Kultur in Peru und ein riesiger Stein mit eingekerbten Wasserrinnen, kleinen Becken und Reliefs von Schlangen, Reptilien, Affen und Eidechsen, an das Wasserheiligtum wie im andinen Inkareich bei Cajamarca in Peru (hatten wir auch in unseren Berichten geschrieben). Wir koennen wirklich Aehnlichkeiten entdecken, aber inwieweit hier tatsaechlich ein Kulturaustausch stattfand ist ungesichert. Ca. 3 Stunden liefen wir durch den Park und auch 3 oder 4 Schulklassen machten gerade einen Ausflug (wohl zur Weiterbildung), aber als sie uns entdeckten, waren fuer alle Maedchen die Steinfiguren uninteressant. Sie hatten nur noch Blicke fuer die 2 blonden Maenner mit blauen Augen an meiner Seite! Einige sprachen uns an und fragten, ob sie uns fotografieren duerfen. Ich bin es zwar schon von Bolivien und Peru gewoehnt, dass alle nach Lars mit den blonden langen Lockenhaaren schauen, aber solche Menschenauflaeufe hatten wir bis jetzt noch nicht. Die Kolumbianer sind sehr nett, aber eben auch sehr neugierig.
In San Agustin zelteten wir bei einem Schweizer. Rene lebt lebt seit 11 Jahren in Kolumbien und fuehrt seit 3 Jahren einen oekologischen Bauernhof. Wir bekommen frische Milch (noch warm vom Euter), Eier, Joghurt und Erdbeeren. Uns gefaellt es bei ihm sehr gut, aber da wir uns in Ecuador bei Nina und Franco ausgeruht haben, zieht es uns weiter. In Tierradentro gibt es ueber 30 Grabkammern mit Wandmalereien, in welche man ueber grosse Steinstufen hinabsteigen kann. Die ersten Graeber werden auf 600 v. Chr. geschaetzt, sie sind erst 1930 entdeckt und freigelegt worden. Es ist wenig bekannt uber diese Kultur. Mit einem Museumsbesuch geht der Rundgang los, dannach laufen wir ein paar Stunden durch die gruene Huegellandschaft, inmitten sich die Graeber befinden. Einige sind mit Lampen ausgestattet, so dass wir gesichert hinabsteigen koennen. Wiedermal sind wir beeindruckt von dieser Entdeckung.
Die naechsten Wochen werden wir weiterhin durch Kolumbien fahren und ich freue mich natuerlich schon, wenn wir oben in Cartagena (die schoenste Hafenstadt der Welt) ankommen und auf das karibische Meer blicken koennen.
Bis dahin
Max, Lars und Eure Dagmar

1.10.-5.10. Manizales / Medellin
6.10.-8.10. La Dorada / Rafting in Tobia
9.10.-10.10. Einladung nach Bogota
10.10.-12.10. Salzmine in Zipaquira / Villa de Leyva
13.10.-16.10. NP Sierra Nevada de Cocuy
17.10.-19.10. San Gil / Barichara / Giron
20.10.-21.10. Berlin (gleichnamiger Bergort in den Anden)
22.10.-23.10. Mompos
24.10.-28.10. Cartagena / Isla Grande
29.10.-31.10. an der Kueste entlang nach Venezuela…

Lars:
Ein traumhaftes Stueck Kolumbies
Von Bogota kommend fahren wir ueber Villa de Leyva, einem schoenen alten Kolonialstaedtchen, bis nach Cocuy am Rande des gleichnamigen Nationalpark’s Sierra Nevada de Cocuy. Der Weg dorthin fuehrt uns anfangs ueber gut asphaltierte Serpentinenstrecken, spaeter fahren wir noch ca. 80 km Schotterpiste durch phantastische Canyon’s bis zum kleinen Ort Cocuy in ca. 3.000 m Hoehe.
Unterwegs stoppt uns wieder einmal ein Plattfuss. Es ist mittlerweile der 5. oder 6. ,auf den bis jetzt gefahrenen 32.000 km, am Hinterrad des Gespann’s. Eine kleine Drahtgrampe hat Gefallen an unseren stark abgefahrenen Reifen gefunden (beim letzten Plattfuss in Ecuador war es ein Holzspan, C’est la vie!). Leider war es bis hierher nur in Peru moeglich die fuer’s Gespann benoetigte Reifengroesse zu bekommen, sodass wir die verbleibende Zeit der Reise mit mehr oder weniger guten Slicks zuruecklegen.
Von Cocuy fahren wir noch ca. 1,5 Stunden bis zur empfohlenen Cabaña Kanwara (3.900 m). Die Cabañas scheinen seit einiger Zeit verlassen und so schlagen wir unsere Zelte auf und kochen gemeinsam mit Max ein leckeres Abendmahl. Bereits 6 Uhr am naechsten Morgen stehe ich auf (peplagt von „Schlechtschlaefrigkeit“ wahrscheinlich von der Hoehe) und repariere mit Max, welcher sich auch 6.30 Uhr aus dem Zelt schaelt, die Hinterradbremse des Gespanns. Bei der Herfahrt erwies sich auf einmal mangelnder Vortrieb, als klemmender Hauptbremszylinder. Ein paar Tropfen Silikonoel (aus dem Reparaturset des MSR-Kocher’s) an die Manschette des Kolben’s verhelfen dem Bremszylinder zu einwandfreier Funktion. Spaeter fruehstuecken wir mit herrlichem Blick auf die umliegenden Berge, filtern noch etwas Wasser aus einem Bergbach in unseren leeren Kanister, packen unsere sieben Sachen und fahren nur 25 km bis zur Cabaña Guaicani (3.600 m). Diese ist bewirtschaftet und wir beschliessen 2 Tage an diesem traumhaften Ort zu bleiben und beziehen Quartier im Holzhaeuschen. Beim Abendessen bietet uns Carlos der Besitzer eine Reittour fuer morgen an. Gut, 8 Uhr sitzen wir voellig unerfahrene „Reiter“ im Sattel und reiten gemeinsam mit Carlos bis auf ca. 4.200 m, die wir nach gut 3 Stunden erreichen. Wir steigen etwas baumelig von den gutmuetigen Pferden und beginnen den Aufstieg zu Fuss zum Berg Pan Azucar. In 4.900 m Hoehe stoppen wir am Fusse des El Tablon, einem quaderfoermigen Fels, machen noch ein paar Fotos im Schnee und laufen zurueck bis auf 4.200 m,
wo Carlos Pferde geduldig auf uns warten. Beim Rueckritt steigen wir an den steilsten Passagen von den Pferden ab und fuehren sie ein Stueck den Weg hinab. Nach insgesamt 5 Stunden im Sattel sind wir froh aber auch gluecklich von den Pferden steigen zu koennen und geniessen die letzten Meter zu Fuss und spaeter die leckeren Forellen, von Carlos Frau zubereitet, auf unseren Tellern.
Bei der Abfahrt am naechsten Tag treffen wir auf 2 einheimische Endurofahrer, welche voellig begeistert sind, dass wir trotz der negativen Presse ihr traumhaftes Land bereisen.
Die Reisewarnungen zu Kolumbien auf der Internetseite des deutschen Auswaetigen Amtes koennen wir nicht teilen. Wir verbrachten ca. 7 Wochen im Land, bereisten dabei auch entlegene Gebiete (natuerlich nicht ohne uns vorher zur Sicherheitslage zu erkundigen), trafen stets auf sehr freundliche und hilfsbereite Menschen und genossen die wunderschoene Landschaft.
Wir denken, dass man Kolumbien mit einem gesunden Mass Vorsicht, die man wie in jedem anderen Land beim Individualreisen verwendet, bereisen kann und das man Kolumbien auf einer Reise durch Suedamerika auf keinen Fall missen sollte.
Die Meinung von Herrn Moeller-Freile (ehemaliger ecuadorianischer Botschafter in Berlin) in unserem Gaestebuch (09.08.), dass sich das Land inmitten eines Buergerkrieges befindet, ist fuer uns voellig unverstaendlich.
Auch andere Reisende, welche selbst Kolumbien bereisten, teilten stets unsere gute Meinung zum Land. Negatives hoerten wir nur von Leuten, die persoenlich noch nie in Kolumbien waren.
Bis zum naechsten Mal, hasta luego Kolumbien !
Noch ein paar kleine Korrekturen zu den SZ-Artikeln vom 20.08. und 29.10.:
– es war nicht die Vorderradgabel des Gespann’s gebrochen sondern der Rahmen im Lenkkopfbereich gerissen
– die Verschiffung nach Panama versuchten wir gar nicht erst sondern aenderten vorher unsere Reiseplanung Richtung Venezuela, da die kostspielige Verschiffung nach Panama bei der restlichen Reisezeit nicht mehr sinnvoll gewesen waere
– unsere Filme bewahren wir nicht in einer Tiefkuehlbox sondern nur in einer alubeschichteten Kuehltasche in einer unserer Alu-Boxen auf
– das Gespann ist nach dem Umbau erst 4 Jahre alt