Peru (2004)

28.05.-01.06.04 Arequipa/Colca Canyon 02.06.-06.06.04 Nasca/Cementerio Chauchilla 06.06.-08.06.04 Oase Huacachina 08.06.-11.06.04 Pisco/Halbinsel Paracas 11.06.-13.06.04 Castrovirreyna/Izcuchaca 13.06.-16.06.04 Concepcion 17.06.-18.06.04 La Merced 19.06.-23.06.04 Oxapampa/Pozuzo 25.06.-29.06.04 Huanuco…

Dagmar: Nach 2 Tagen in der Stadt Arequipa wollen wir 150 km noerdlich in den Colca-Canyon fahren. Die Schlucht soll noch gewaltiger sein als der Grand Canyon in den USA. Schon zu Zeiten der Inkas wuchsen auf den Terassen-Haengen Mais, Kartoffeln und Bohnen und saemtliche damalige Obst-und Gemuesesorten, die mit Lamakarawanen bis nach Cusco transportiert wurden. Um 1630 entdeckten die Spanier Silber-und Goldminen. 1931 wurde durch eine Expedition der Canyon als die „Tiefste Schlucht der Welt“ deklariert. Bevor wir losfahren muessen wir aber erstmal tanken. An der Tankstelle treffen wir auf zwei Motorradfahrer, es sind die Beiden, die uns auf dem Weg in den NP Lauca in Chile entgegenkamen. Tini und Lars sind aus Ilmenau und fuer ein halbes in Suedamerika unterwegs (2000/01 fuhren sie fuer 1 Jahr die gesamte Panamericana auf einem Motorrad). Sie wollen auch fuer ein paar Tage in den Canyon, so beschliessen wir gemeinsam zu fahren. Natuerlich sind sie mit ihren Solo’s (Tini-BMW F650 GS, Lars-Honda Afrika Twin) schneller als wir, aber sie machen oefters Raucherpausen, so holen wir sie immer wieder ein. Wir fahren bis Chivay, ein kleiner touristischer Ort im Canyon und finden auch gleich ein kleines huebsches Hostal. Der naechste Tag ist Sonntag, es soll ein Ruhetag fuer uns sein, kurz hinterm Ort befindet sich ein Termalbad und wollen wir ein paar Stunden verbringen. Die Sonne brezelt und das Wasser ist schoen heiss, so kann nur ein Bier fuer Abkuehlung sorgen. Durch den Canyon sind es ca. 80 km Schotterpiste, nach 30 km soll der Aussichtspunkt „Cruz de Condor“ kommen. Kurz davor stehen wir ploetzlich wieder mal vor einer Blockade, aber die Verhandlungen laufen schon. Diese Leute haben fuer eine Firma gearbeitet, welche den Aussichtspunkt erneuern. Ueber Nacht hat sich die Firma aus dem Staub gemacht und die Arbeiter stehen ohne Lohn da. Wir muessen zum Glueck nur eine viertel Stunde warten, andere Touristen stehen schon seit 4 Stunden da. An der Aussicht koennen wir wirklich 2 Andenkondore beobachten. Er ist der groesste Raubvogel der Erde, mit einer Fluegelspannweite bis zu 3,20 m . Durch die thermischen Aufwinde in der Schlucht laesst er sich bis zu 5000 m hoch tragen. Es geht weiter Piste. Tini und Lars fahren voran, wir wegen dem Staub weit hinterher. In einer Kurve steht Tini ploetzlich auf der Piste und das Motorrad liegt. Sie war an einer Bodenwelle wohl etwas zu schnell und stuerzte. Zum Glueck nichts passiert, bloss die BMW bekam sie allein nicht wieder hoch (kein Wunder sie ist noch kleiner als ich, nur 1,56 m). Wir helfen und weiter gehts. Ein Stueck weiter wartet Lars, wir machen Stopp, er wundert sich was bei uns zischt. Es erweisst sich als Plattfuss hinten. Gut, Lars ist ja geuebt, nach 30 min koennen wir weiter fahren. In Huambo, ein kleines Dorf, fragen wir nach einem Hostal und zelten letztendlich gratis im Innenhof der Polizeistation. In einem kleinen Raum koennen wir kochen, sitzen und plaudern bei Grog und Bier ueber unsere Reisen. Am naechsten Tag fahren wir noch ca. 3 h gemeinsam Schotterpiste, bis wir wieder auf die Panamericana stossen. Hier muessen sich leider unsere Wege trennen, eigentlich wollten wir zusammen nach Nasca, aber die Beiden muessen zurueck nach Arequipa. An Tini’s BMW ist das Federbein kaputt gegangen und sie muessen sich ein Ersatzteil schicken lassen. So verabschieden wir uns auf der Panamericana, sie fahren wieder nach Sueden und wir weiter nach Norden.
Dagmar Die Geoglyphen von Nasca (Teile aus dem Reisefuehrer entnommen) Die Linien, Flaechen und Tierdarstellungen erstrecken sich auf einer Flaeche von etwa 700 qkm im westl. Vorland der Anden, in der wuestenartigen Pampa zwischen Nasca und Palpa. Die ueber 30 Figuren sind zwischen 25 und 200 m lang. Der Bestand der Bodenmarkierungen wurde ueber die Jahrhunderte durch das aeusserst trockene Klima an der Kueste Peru’s garantiert. Doch heute sind die Linien in Gefahr. Die einst voellig trockene Pampa, in der es frueher hoechstens 20 min im Jahr regnete, bekommt heute wesentlich mehr Regen , was die Figuren gefaehrdet. Durch Erich von Daeniken mit seinen phantasievollen Deutungsversuchen wurden die Linien international bekannt. Die deutsche Mathematikerin und Geographin Dr. Maria Reiche, geboren 1903
in Dresden, kam 1932 nach Peru. Die Forschungen ueber die Nasca-Linien wurden zu ihrem Lebenswerk. Sie flog mit dem ersten peruanischen Hubschrauber ueber die Pampa und liess sich dabei ausserhalb der Maschine mit einer Luftbildkamera festbinden. Mit Messband, Sextant, Leiter und Kehrbesen war sie oft tagelang in der Pampa. Mit dem Besen legte sie nach und nach die meisten Tierfiguren frei. Immer wieder entdeckte sie neue Furchen, diese sind daumentief, 20 cm breit, groessere sind auch Fusstief. Im Laufe der Jahre war sie ueberzeugt, dass die Nasca-Pampa astronomisches Geheimwissen birgt. Sie fand mindestens 3 Linien, die kalendertechnisch nutzbar waren, zur Bestimmung wiederkehrender Tage, von Sonnenstaenden und Mondaufgaengen. Die Forschung geht weiter, doch noch viel Zeit und Phantasie sind noetig, um das Geheimnis der Geoglyphen endgueltig zu lueften. Wir wollen uns das Ganze natuerlich auch von oben betrachten. Zur Sicherheit Fruehstuecken wir nicht, mir ist schon etwas mulmig. Der Flug soll 35 min dauern, mit Pilot passen 6 Leute in den Flieger und schon heben wir ab. Oh, es ist ein phantastisches Gefuehl so zu fliegen, haette ich nicht gedacht. Wir konzentrieren uns auf die Linien um nichts zu verpassen. Der Pilot schwenkt die Maschine nach links und rechts auf die Seite, so das wir besser sehen koennen. Die Zeit ist schnell um, wenn es nicht so teuer waer (35 USD pro Person) wuerde ich gleich nochmal fliegen. Nachmittags fahren wir zum Friedhof bei Chauchilla, ein Graeberfeld aus der Praeinkazeit, auf dem die typischen Langschaedel gefunden wurden. Die Mumien, Knochen und Schaedel wurden von Archaeologen in freigelegte Grabkammern gesetzt. Interessant, aber auch ein biss’l gruselig, finde ich.
Lars: Wir fahren gut 150 km Richtung Norden auf der Panamericana bis zur Oase Huacachina bei Ica. Sie liegt inmitten riesiger Sandduenen, umsaeumt von Dattelpalmen und Johanisbrotbaeumen, wie in einem Maerchen aus 1001 Nacht. Schon waehrend der Inkazeit war sie ein heiliger Ort, wie aus dem Quechua-Namen Huacachine (Huaca=heiliger Ort, china=Frau) zu deuten ist. Heute ist die Oase mit vielen Hostal’s und Restaurant’s recht touristisch ausgebaut. Dennoch finden wir ein schoenes ruhiges Plaetzchen im Hostal El Huacachinero direkt an einer riesigen Sandduene zum Zelten. Es ist Sonntag Abend und die letzten Wochenendausfluegler verschwinden gerade, so dass wir spaeter die Ruhe der Oase unter einem Sternenmeer geniessen koennen. Am naechsten Morgen findet sich ein frecher Papagei auf unserem Fruehstueckstisch ein und laesst sich frisch getoastetes Brot und ein Schluck Wasser munden. Waehrend wir fruehstuecken, leiht sich ein junges Paerchen Sandboard’s aus. Wir hatten es gestern bereits gesehen, dass hier ein Verleih ist, und wollen es heute auch probieren. So koennen wir erst mal ihr Treiben beobachten. Der Aufstieg sieht muehevoll aus und die Abfahrt ist durch einige Stuerze geziert. Ich will es ebenfalls wagen, das erste mal auf solch einem Board. Fuer den Aufstieg auf die ca. 200 m hohe Duene brauchen wir eine knappe Stunde, staendig rutschen wir zurueck und muessen vor lauter Anstrengung oft pausieren. Vom Duenenkamm aus haben wir eine phantastische Sicht ueber das „Sandmeer“, man koennte denken, man befindet sich in der Sahara. Jetzt wird’s spannend, ich schnalle das Board an und die Abfahrt kann beginnen. Sie ist natuerlich von noch mehr Stuerzen gespickt, als bei den anderen. Dagmar haelt alles im Bild fest. Unten angekommen kaempfe ich mich noch mal ein Stueck hinauf und dann wieder per Board hinab. Leider gibt es keinen Lift! Nach dieser Anstrengung wird es Zeit fuer ein kuehles Blondes und wir kommen mit dem anderen Sandboardpaerchen, welche es sich bereits in den Haengematten des Hostals mit einem frischen Bier bequem gemacht haben, ins Gespraech. Melanie ist aus Zuerich (fuer 2 Wochen auf Besuch) und Swen stammt aus Bautzen (!), lebt jetzt auch in Zuerich, und fuer 5 Monate in Suedamerika mit dem Rucksack unterwegs. Es stellt sich heraus, dass Swen auch Bluesfan ist und frueher ebenfalls haeufig in unserer Stammkneipe „Gasthof Medingen“ bei „Beef“ (ein Gruss an Beef an dieser Stelle von uns) war. So plaudern wir ueber diverse Band’s (Caesar, Shawue, Engerling, Monokel, Th. Stelzer,…) und sind wieder einmal verbluefft, wie klein die Welt ist. Zusammen verbringen wir noch den Tag, gehen lecker Essen (Ceviche=roher Fisch mit Limonensaft=eine einheimische Spezialitaet), spaeter nochmal boarden und trinken Abend’s natuerlich noch ein paar Bierchen. Am naechsten Tag verabschieden wir uns herzlich von den Beiden (vielleicht trifft man sich ja irgendwann nochmal, in der Schweiz oder bei Beef?). Sie wollen weiter nach Nasca und wir nach Pisco.
Lars: Unsere naechste Station soll Oxapampa (1.800 m) und Pozuzo (800 m) inmitten des Andenurwaldes Richtung Amazonastiefland sein. Pozuzo ist eine ehemalige deutsch-oestereichische Kolonie und wurde im Jahre 1857 gegruendet. Peru wollte zur damaligen Zeit in den sehr duenn bevoelkerten Gebieten 10.000 Oestereicher und Deutsche ansiedeln, um den Eisenbahnbau Richtung Amazonas weiter voranzutreiben. Es kamen jedoch nur 200 Tiroler und 100 Rheinlaender. Von diesen ueberlebten 156 den anstrengenden fast
zweijaehrigen Marsch ueber die Anden. Die Abgeschiedenheit des Oertchens Pozuzo fuehrte dazu, dass die Menschen hier ihre eigene Welt mit ihren Traditionen erhielten und fast 100 Jahre in der Isolation lebten. Erst 1975 setzte eine zunehmende Peruanisierung, nach Fertigstellung der Strasse von Oxapampa nach Pozuzo, ein. Von La Merced fahren wir eine von Schlagloechern uebersaete, aber landschaftlich reizvolle, Strecke durch den Regenwald bis Oxapampa. Der Ort sieht mit seinen Holzhaeusern voellig unperuanisch aus. Auch hier siedelten sich die Nachfahren der ersten Tiroler und Deutschen an, nachdem es in Pozuzo zu „eng“ wurde. Wir finden wieder eine schoene Campingmoeglichkeit am Hostal „El Trapiche“ (Zuckerrohrpresse). Oxapampa ist heute ein Kaffee-, Honig- und Holzzentrum. In einem kleinen Laden kaufen wir endlich, nach fast einem halben Jahr, mal wieder einen sehr guten Kaffee. Dieser ist ein Hochgenuss. Auf der bisherigen Reise konnten wir meist nur miesen bis mittelmaessigen Kaffee trinken, da es in den Laeden fast nur Instant-Nescafe oder eben schlechten Bohnenkaffee, wenn ueberhaupt, gab. Eigentlich nicht vorstellbar, dass die Menschen in diesen traditionellen Kaffeelaendern dieses Instant-Zeug (auch nicht gerade billig!)trinken. Die Piste nach Pozuzo ist in recht gutem Zustand und fuehrt entlang eines herrlichen Flusstales durch den Urwald. Nach gut 3 Stunden haben wir die 80 km zurueckgelegt. In Pozuzo beziehen wir in der Albergue von Frau Maria Egg Quartier und koennen wieder unser Zelt aufschlagen. Frau Maria spricht tiroler Dialekt und ist eine direkte Nachfahrin des Pfarrer’s Jose Egg, welcher die ersten Siedler hierher leitete. Wir bleiben 3 Tage und erfahren viel ueber das Leben der Leute und die Geschichte des Ortes. Sehr interessant ist auch die Fuehrung zu ihrem Geburtshaus etwas ausserhalb in traumhafter Landschaft. Sie empfiehlt uns noch das kleine Schafferer-Museum (Heimatmuseum), durch welches uns eine liebenswerte aeltere Dame, Frau Randolf, natuerlich auch in tiroler Dialekt fuehrt. Ausfuehrlich erzaehlt und zeigt sie uns die Dinge des Museum’s und laechelt immer verschmitzt, wenn etwas in den Aufzeichnungen nicht stimmt. Zum Abend gibt es Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat und Bier im kleinen Restaurant von Frau Maria’s Bruder Andre. Es ist schon eine Wohltat nach knapp 6 Monaten Suedamerika ein bisschen Heimat auf der Zunge zu spueren. PS: Wer mehr ueber den Ort erfahren will, kann im Buch „Pozuzo“ von Frau Elisabeth Habicher-Schwarz ISBN 3-85093-123-4 nachlesen. Frau Habicher-Schwarz und ihren Mann konnten wir hier persoenlich kennenlernen, sie weilten gerade in Pozuzo.