Kanada … sonniger Abschied am Atlantik …

Freitag, der 30. September, wir befinden uns noch an der Nordwestküste von Nova Scotia. Mit einem letzten Blick auf die Bay of Fundy übernachten wir an einer alten Kai-Anlage. Wir fahren nicht bis an den Westzipfel der Halbinsel, das wird zu weit, wir wollen jetzt direkt zur Südküste. Auf unserer Abkürzung von Nord nach Süd finden wir nur müßig einen geeigneten Übernachtungsplatz, stehen dann irgendwo im Wald auf einer kleinen Lichtung. Dafür erwarten uns auf der Südseite geschützte Sandbuchten, felsige Ufer, historische Städtchen, kleine Fischerdörfer und Leuchttürme. Dies ist die Lighthouse Route Richtung Halifax.

sonniger Abschied am Atlantik

Erster Stopp ist Lunenburg, 1753 von vorwiegend deutschen und Schweizer Siedlern gegründet. Die Briten holten sie nach Nova Scotia. Besser als die bis dato nach Übersee gebrachten trinkfesten Männer aus Londons Vorstädten, sollten sie das Land zuverlässig, arbeitsam und zielstrebig weiter erschließen. Viele der Holzhäuser der Altstadt stammen noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sie sind in einem sehr gepflegten einzigartigen Zustand. Ein Grund, das Lunenburg zum UNESCO- Weltkulturerbe erklärt wurde. Die schachbrettartig angelegten, schnurgeraden Straßen (sieben von Nord nach Süd und neun von Ost nach West) verlaufen teilweise sehr steil, denn das Gelände der Stadt ließen die Planer in Londons Schreibstuben außer Acht. Wir laufen hin und her, hoch und runter, verweilen im Hafengelände. Ich möchte gern eine Pause machen und mir schwebt ein Fischbrötchen vor meinem gedanklichen Auge, leider suche ich vergebens nach einer Fischbrötchenbude. Schade, dann eben nicht, gibt es eben später was aus unserer Vorratskiste.

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Nun doch etwas fußlahm fahren wir weiter, entlang an der wunderschönen Mahone Bay und entdecken einen superschön gelegenen Picknickplatz ohne Übernachtungsverbotsschild. Sehr gut. Hier können die vom Stadtrundgang steifen Glieder beim hin- und herspringen am Strand so richtig schön durchgeschüttelt und gelockert werden. Ein Bad im Atlantik darf von Lars seiner Seite her natürlich auch nicht fehlen. Ein kleines Bächlein fließt ins Meer hinein, dort kann er gleich das Salzwasser vom Körper wieder abspülen.

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Weiter auf der Lighthouse Route fahren wir bis zum Fischerdorf Peggys Cove und seinem wahrscheinlich Canadas meist fotografierten Leuchtturm. Es sieht sehr malerisch und idyllisch aus. Der kleine Hafen zwischen farbenfroh gestrichenen Häusern und der Turm mit rundum einer herrlichen Felsenlandschaft.

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Nicht weit vom Ort ist ein kleiner Parkplatz, wo wir ruhig übernachten können.

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Am nächsten Vormittag laufen wir gleich nochmal durch Peggys Cove und zum Leuchtturm.

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Es ist der 4. Oktober, das Wetter ist seit Tagen herrlich, wir fühlen uns wie im Spätsommer. Was gibt es da besseres als die Zeit am Strand zu verbringen. Wir fahren zurück zu unserem Picknickplatz der vorletzten Nacht. Wir genießen diese Stunden in vollen Zügen, rumtoben, im Sand buddeln, baden und einfach nur auf das Meer schauen über welches wir in ein paar Tagen drüber fliegen werden… nach Hause …

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Den ganzen nächsten Vormittag sind wir nochmal am Strand, bevor wir die letzten 100 km bis Halifax fahren. Dort beziehen wir auf dem KOA Campingplatz unsere einfache, aber hübsche Hütte, wie schon vor 1 ½ Jahren … krass, wie lange ist das her.

Trotz des schönen Wetters und Sonnenschein tagsüber, ist es doch abends und in der Nacht schon empfindlich kalt. Man sieht es auch an den Bäumen, welche nun eine herrliche Herbstfärbung des Indiansummers haben. Lars hat die glorreiche Idee im Baumarkt einen kleinen Heizlüfter für die Hütte zu kaufen. Er kostet nur 15 Dollar und ist uns aber goldwert. Am Ende überlassen wir ihn dem Campingplatz.

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Nun machen wir alles umgekehrt, den Toyota reisefertig für das Schiff, unser Hab und Gut was im Auto bleibt gut verstauen, was nehmen wir im Flieger mit … so wenig wie möglich, denn wir haben ja nun zwei Hunde, also zwei riesengroße Flugboxen, die wir rumbugsieren müssen.

Die zweite Flugbox hat uns schon vor Wochen Norma gekauft. Sie hat Foppolos Box für uns die ganze Zeit eingelagert und war so lieb, auch schon rechtzeitig für Anthony eine Box zu besorgen. Da wir die größte Größe brauchen und davon nicht immer so viele im Laden vorrätig sind, war uns das in der letzten Woche zu organisieren zu unsicher. Norma wohnt nicht weit entfernt vom Campingplatz. Gleich am nächsten Tag fahren wir zu ihr, wir wollen die Boxen schnell in der Hütte haben, um die restlichen Tage Foppolo und Anthony wenigstens noch ein bisschen daran zu gewöhnen. Die Wiedersehensfreude mit Norma ist groß, wir bedanken uns ganz herzlich bei ihr für ihre Hilfe. Für sie war alles selbstverständlich, dass einlagern für so lange Zeit, die neue Box kaufen, das Geld hatte sie auch ausgelegt. Alles kein Problem. Wir wünschen ihr und ihren Hunden alles Liebe und Gute. We stay in touch.

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Zwischen der ganzen Hin- und Herräumerei im Auto und Boxentraining müssen wir auch noch zum Tierarzt und Amtstierarzt. Es werden einige Formulare und Stempel für die Einfuhr nach Europa für Foppolo und Anthony gebraucht. Der normale Tierarzt füllt erstmal die Formulare aus und der Amtstierarzt gibt dann seine Stempel und Unterschrift auf das Ganze. Die Organisation dessen kostet uns ein paar Nerven, aber ein Tag vor Abflug haben wir alles beisammen. Wir haben zwar schon von anderen Reisenden mit Hund gehört, dass es in Frankfurt niemanden interessiert, aber man weiß ja nie. Da kommen wir vielleicht mit unserem Amerikaner Anthony an und dann fehlt was … ne ne. Wir haben alles parat.

Auf dem Campingplatz sind wir übrigens nicht die einzigen Reisenden die ihre Fahrzeuge und sich selbst für die Heimreise vorbereiten. Wir verbringen noch ein paar sehr nette Abende am Lagerfeuer mit tollen Gesprächen über das ein oder andere Erlebte.

Drei Tage vorm Abflug holen wir unser Mietauto ab. Zwei Tage vor dem Abflug geben wir das Buschtaxi im Hafen ab, erledigen vorher noch in der Stadt den dazugehörigen Papierkram, was alles reibungslos funktioniert. Mit Reisekilometerstand 66.145 km steht er nun da der Toyota, hat uns treue Dienste geleistet, ohne große Reparaturen, eigentlich musste Lars nur Servicearbeiten verrichten. Lars zieht seine Warnweste für das Hafengelände über und fährt ihn zum Stellplatz, wo schon einige andere Reisemobile für die Reise gen Europa bereit stehen. Ahoi.

Den vorletzten Tag verbringen wir dann komplett auf dem Campingplatz.

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Dann ist es soweit, Donnerstag der 13.10.2016, unser Flieger geht erst am Abend, wir haben noch genügend Zeit. Wir packen alles Gepäck und Flugboxen in unser super geräumiges Mietauto. Foppolo schwant nichts Gutes. Schon die ganzen letzten Tage ging er nur solange in die Box bis das Türchen wieder aufgemacht wurde. So als ja, ja ich mach schon, wenn es sein muss. Der Hinflug hat sich bestimmt bei ihm eingeprägt. Anthony dagegen ganz unbedarft, rein und raus aus der Box, hinlegen und auch drin spielen, ob Tür zu oder offen, ganz egal.

Die 30 km bis zum Flughafen halten wir immer mal wieder an und lassen die Beiden raus. Am letzten Tim Hortons vor dem Flughafen verbringen wir dann die restliche Zeit bis zum Abflug. Es gibt eine schöne Wiese, wo sie nochmal richtig rumtoben können und wir essen auch noch eine Kleinigkeit. Ja, ich bekomme trotz sehr großer Aufregung ein kleines Hühnersüppchen herunter. Lars kräftig sich mit Chili con Carne und den zwei Brötchen unserer Suppen.

Wir geben das Mietauto ab, verfrachten unsere Taschen und die Flugboxen wieder irgendwie auf die dafür sehr unhandlichen Gepäckwagen und laufen ins Flughafengebäude. Die Hunde sind an der Leine, noch nicht in der Box. Es sagt niemand was dagegen. Das Einchecken der Hunde verläuft dann unerwarteter Weise unkompliziert. Eine Stewardess kümmert sich nur um uns und die Hunde mit den Flugboxen. Als Foppolo und Anthony eingecheckt sind, fällt uns erstmal der erste Stein vom Herzen. Denn die Flugbuchung bei Condor für uns Vier, also speziell für die Hunde, hatte sich über mehrere Monate! hingezogen. Wir haben noch ein bisschen Zeit bis zu unserem Boarding. Wir treffen alte Bekannte wieder, Iris, Jo und Hund Juvi fliegen auch mit uns. Wir hatten sie in Mexiko kennengelernt und ein halbes Jahr später auf dem Dempster Highway in Canada wieder getroffen und nun wieder ein paar Monate später fliegen wir im gleichen Flieger heim, so ein Zufall. In der Boardinghalle sitzen wir zusammen mit Veronika und Rainer vom Campingplatz. Und so habe ich noch genügend Ablenkung bis wir endlich das Flugzeug besteigen. Gleich am Eingang fragen wir nach Foppolo und Anthony. Wir bekommen zur Antwort, sie wären gut an Bord gekommen und die Heizung wäre auch schon an. Prima.

Nun heißt es 6 ½ Stunden Nachtflug. Wir schauen Filme und hören Musik, an Schlaf ist kaum zu denken.

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Wir landen früh halb acht nach deutscher Zeit. Eine Weile stehen wir am Gepäckband, als sich dort nichts tut, entscheiden wir erstmal zum Sperrgepäckschalter zu laufen und Foppolo und Anthony abzuholen. Auf dem Weg dorthin sehen wir zwei riesengroße Flugboxen mitten im Gang stehen … DAS SIND DOCH UNSERE! Was ist denn hier los. Kein Mensch weit und breit. Nur zwei Männer an der Seite die sich unterhalten. Wir fragen Sie: „Dies sind unsere Hunde, können wir sie einfach nehmen?“ Sie sind nicht zuständig antworten sie uns, aber klar doch, nehmen Sie Ihre Hunde… Foppolo schaut schon ganz verzweifelt aus der Box und will raus, Anthony natürlich auch. Die Türen sind zur Sicherheit noch extra mit Kabelbinder verschlossen. Im Handgepäck hat Lars natürlich kein Taschenmesser, irgendwie bekommt er es mit einem Schlüssel hin, sie aufzureißen. Die Wiedersehensfreude ist unermesslich groß. Foppolo sagt er möchte nie wieder in so eine Box, Anthony dagegen geht gleich nochmal rein. Ihm hat es scheinbar gar nichts ausgemacht. Wir bauen die Boxen auseinander, holen noch unsere Taschen am Band ab und verlassen ohne Zollkontrolle das Flughafengebäude. Wir werden von unseren Berliner Freunden Frank, Mona, Birba und Gubi abgeholt. Also zum Flughafen kommt erstmal nur Frank, die anderen warten auf uns bei Marion und Rudi in der Mühle, sie wohnen ca.100 km vom Flughafen entfernt. Dort verbrachten wir ja auch unsere letzten zwei Nächte vor dem Abflug aus Frankfurt vor 1 ½ Jahren. Foppolo ist total aus dem Häuschen als er Frank sieht und dann auch Mona und die Hundis. Anthony wird natürlich auch herzlich begrüßt und geknuddelt. Wir bleiben wieder zwei Nächte und dann schaffen uns die Berliner nach Dresden. Vielen Dank ihr lieben Freunde.

Und nicht das ihr denkt, dass unsere Ankunft zu Hause mit Umarmungen der Familie beginnt, nein, zuerst wird Foppolo beobachtet, ob und was und wen er alles wiedererkennt, was er als erstes macht… er rennt zur Tür, welche zu dem Raum führt, wo seine Chinchillas wohnen. Er freut sich total seine kleinen Kumpels wiederzusehen. Meine Eltern werden von ihm hochfreudig begrüßt und jedes Familienmitglied und Freunde. Natürlich erkennt er alle und alles wieder.

Anthony rennt Foppolo  immer hinterher, total freudig und neugierig was hier auf ihn zukommt. Er wird bestaunt, wie groß er denn schon ist.

Nun sind auch wir dran und werden von allen Lieben herzlichst in Empfang genommen 😉

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Doch wie ihr wisst, wird das nicht das Ende sein, denn nach der Reise ist vor der Reise. Also bleibt alle schön gespannt.

Ganz liebe Grüße von uns Vieren Lars, Dagmar, Foppolo und Anthony

 

PS.: 8 Monate sind seit unserer Rückkehr nach Deutschland vergangen, jetzt finde ich nun die Ruhe und Muße auf einer Alm in Osttirol in einer urigen Hütte diesen kleinen Bericht noch zu schreiben…

und vom Hüttenurlaub werde ich natürlich auch berichten … das also demnächst …