Abschied von Utah, ein Wiedersehen in Idaho, Willkommen in Montana

Es ist der 7. April, wir fahren nur 48 km, aber dafür 1.000 m höher, von 1.645 m Höhe (T-Shirt Wetter) aus dem Grand Staircase Escalante National Park führt uns eine steile Bergpiste hinein in den Dixie National Forest auf 2.660 m Höhe. Wir sind noch in Utah. Am Posey Lake ist die Campingplatzzufahrt durch ein kleines Schneefeld versperrt, so stellen wir uns auf dem Picknickplatz gleich nebenan und haben eine tolle Sicht auf den halb zugefrorenen See. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen, auch keine Tiere, wahrscheinlich schlummern die Bären hier oben noch im Winterschlaf. Foppolo und Anthony tragen trotzdem ihre Bärenglöckchen am Halsband, man weiß ja nie. Sie toben, jagen und wälzen sich durch den Schnee bis den Beiden die Zungen keuchend heraushängen. Zur Abendbrotzeit sitzen wir gemütlich im warmen Auto. Die Heizung lassen wir lieber über Nacht an, es werden aber keine Minusgrade.

Am nächsten Morgen (3,5 Grad) müssen wir feststellen, dass die Piste, die wir geplant hatten, kurz hinterm Campingplatz auch noch total eingeschneit ist. So ändern wir die Route durch den National Forest und fahren eine Strecke, die wir bereits von 2008 (mit dem Motorrad) kennen. Das stört uns nicht, wir stehen auf der Hell’s Backbone Bridge und erinnern uns zurück, wie wir hier mit der HPN in dieser tollen Landschaft standen. Viele Flecken schauen wir uns auf dieser Reise gern ein zweites Mal an.

Wir übernachten im Red Canyon auf dem Sunglow Campingplatz und uns wird bewusst, dass wir uns nun langsam vom wunderschönen roten Gestein verabschieden müssen. Aber wir sind auch voller Vorfreude auf Kanada und Alaska und deren riesigen Wäldern, Seen und Berge (…und Mücken?!). Bis dahin ist es natürlich noch ein weiter Weg.

Kurz vor Salt Lake City wollen wir im Uinta National Forest übernachten, aber upps, was ist hier los, höchstwahrscheinlich liegt es an der Stadtnähe, freies campen ist verboten und der Campingplatz kostet 21 Dollar, für was? (und das Anfang April), es gibt nur ein Plumsklo, nicht mal das Wasser ist angestellt. Wir haben Samstag, der Platz ist ziemlich gut gefüllt. Es ist schon zu spät um weiter zu fahren und es regnet stark. Am nächsten Morgen, immer noch im Regen, fahren wir weiter Richtung Salt Lake City. Nach einer Stunde Fahrt hört es auf zu regnen, die Sonne lacht uns wieder an, im Städtchen Spanish Fork breiten wir uns erstmal auf dem Walmart Parkplatz aus und lassen vom Sonnenschein die nassen Hundedecken und Hundehandtücher trocknen. Wir kochen uns derweil einen Kaffee, ich hole dazu frische Brötchen und Aufschnitt im Supermarkt. Wie so oft auf Parkplätzen werden wir auch hier von den Einheimischen angesprochen und beantworten gern ihre Fragen nach dem Woher und Wohin. Wir haben einen netten Plausch mit Carlos, er stammt aus Mexiko lebt schon viele Jahre in den USA. Er interessiert sich sehr für die Hunderasse von Foppolo und Anthony, holt seine Nikon aus dem Auto und fotografiert drauf los. Er selbst möchte auch gern auf sein Foto und so fotografiert Lars ihn wie er ganz stolz neben unserem Buschtaxi steht. Zwei Tage später haben wir seine Fotos bei uns im Mailpostkasten. Muchas gracias, vielen Dank!

Salt Lake City wollen wir uns nicht nochmal anschauen, gehen aber kurz in der Stadt in den REI (der Globetrotter der USA) und ich natürlich mal „kurz“ in den H&M (wo ich auch fündig werde)

 

Da wir nicht an die Westküste rüber fahren, sondern im mittleren Westen entlang der Rocky Mountains immer weiter gen Norden, kommen wir nochmal an Pocatello in Idaho vorbei, Anthonys Heimatstadt. Jippije, Familienbesuch ist angesagt. Die Wiedersehensfreude ist bei Menschen und Hunden riesengroß. Es ist herrlich anzusehen wie Mutter Joplin und Vater Marlay ihr Söhnchen Anthony unter die elterlichen Fittiche nehmen und staunen was für ein Prachtkerl er geworden ist. Foppolo und Marlay verstehen sich auch viel, viel besser als beim ersten Besuch, wahrscheinlich musste da noch der Hundepapa seine Welpen verteidigen (obwohl Foppolo sich damals eher von denen genervt fühlte). Jetzt können wir die Beiden zusammen lassen, ganz ohne Hundezaun dazwischen. Wir bleiben nochmal 5 Tage bei Mickie, in diese auch mein Geburtstag fällt. Mickie lässt es sich nicht nehmen, schenkt mir eine riesige Geburtstagsschokotorte und sie möchte, dass mein Geburtstag gleich mit Entspannung beginnt und hat ihre Hausmasseurin für halb 10 bestellt. Eine ganze Stunde werde ich vom Kopf bis zum kleinen Zeh durchmassiert, herrlich. Danach gibt’s Frühstück und einige Skype-Telefonate mit Familie und Freunden. Fürs Barbecue am Abend haben Lars und ich am Vortag eingekauft, es gibt lecker Babyrippchen und natürlich geht für Lars kein Geburtstag ohne Bratwürste, alles frisch vom Fleischer. Wow. Was für ein Schlemmergeburtstag mit einem abendlichen Lagerfeuer im Garten. Vielen Dank liebe Mickie und lieber Lars.

Und dann sagt sich bei Mickie am nächsten Tag noch mehr Besuch an, Georgia und Willow, zwei Schwestern von Anthony kommen vorbei. Jetzt kommt noch mehr Leben in die Bude, alle Bergamasker toben zusammen durch den Garten und Anthony scheint doch nicht mehr zu erkennen, dass Georgia seine Schwester ist und versucht schon mal die erste Besteigung … was sie sich aber gar nicht gefallen lässt. Wir bekommen es für einen kurzen Moment hin, dass die Hundis alle zusammen im Platz liegen und wir ein Erinnerungsfoto schießen können (Willow, die geschorene Bergihündin war da leider noch nicht da). Nach einem lustigen Abend verabschieden sich Kathy mit ihrer Georgia, Willow bleibt, Mickie muss übers Wochenende auf sie aufpassen. Und so schauen uns Joplin, Marlay und Willow aus dem Fenster nach, wie wir uns am nächsten Tag von der lieben Mickie verabschieden und weiter unseren Weg nach Norden ziehen. Es war so toll. Wer weiß, ob wir uns nochmal wiedersehen.

 

Am 16. April fahren wir in Pocatello ab, unser Ziel des Tages ist 165 km entfernt, der Craters of the Moon Nationalpark. Doch schon weit vor den Grenzen des Parkes empfängt uns das schwarze Lavagestein. Mitten im Lavafeld, zwischen schwarzen Brocken, befindet sich dann der Nationalpark Campingplatz (1800 m hoch), der Untergrund steinige Schlacke und schöner Lavasand, in welchem man natürlich auch ordentliche Löcher buddeln kann, es muss ja nicht immer stinknormale Erde, Wüstensand, oder Schnee sein. Außerdem gewinnt Anthony den Wettbewerb „Wer ist schwärzer, Anthony oder die Lava?“.

Die Loop Road führt uns am nächsten Tag voll hinein in die erstarrten Lavaströme. Die letzte vulkanische Aktivität liegt hier 2.000 Jahre zurück. Wir laufen ein paar Trails durch den Park, Hunde sind eigentlich nicht erlaubt auf den Wegen, es ist aber so wenig los, dass wir sie einfach mitnehmen. Es gibt sogar einen kleinen Anstieg; auf dem Lavaberg haben wir eine tolle Aussicht, es sieht genial aus, schwarzer Sand, mit bräunlich leuchtenden Gestein, die geringe Vegetation und dazu schneebedeckte Berge. Wir bleiben noch eine Nacht auf dem Campingplatz, er kostet in der Nebensaison nur 8 Dollar (Wasser ist abgestellt, nur das Plumsklo ist geöffnet).

 

Auf der Sawtooth Scenic Route geht’s hinauf in die Sawtooth Mountains. Wir durchfahren die Sommer- und Skiurlauberorte Sun Valley und Ketchum. In Ketchum stoppen wir, hier verbrachte der weltenbummelnde Schriftsteller Ernst Hemingway seine letzten Lebensjahre und schrieb hier „Wem die Stunde schlägt“, er beging 1961 Selbstmord. Wir besuchen den kleinen (befahrbaren!) Friedhof mit seinem Grab (es ist verziert mit Pennys, Zigarren und auch Schnapsflaschen liegen daneben) und außerhalb des Ortes ein schlichtes Denkmal, welches an den berühmtesten Bürger der Stadt erinnert. 2004 auf unserer Reise durch Südamerika waren wir in Peru, im kleinen Fischerdorf Capo San Lucas an der Pazifikküste, dort schrieb Hemingway „Der alte Mann und das Meer“.

 

Immer noch in Idaho fahren wir weiter gen Norden, mal durch traumhafte Bergwelt, mit Schnee auf den Straßenpässen (immer eine willkommene Abwechslung für Foppolo und Anthony sich bei der Fahrpause so richtig schön nass zu wälzen), mal durch riesiges, eingezäuntes Rancherland (auch das eine Abwechslung vor allem für Anthony, während der Fahrt, die Kühe und Pferde so richtig kräftig laut anzubellen und Foppolo mit anzustacheln, dem diese Tiere sonst nicht interessieren).

Mittlerweile sind wir auf dem Salmon River Scenic Byway und finden am selbigen einen schönen Campingplatz (1.900 m hoch) für ein paar Tage Pause. Viele der National Forest Campgrounds haben hier noch geschlossen, es ist ja auch erst April, bei den bereits offenen ist meist nur das Plumsklo geöffnet und die Trinkwasserpumpen abgestellt, wegen der Einfrierungsgefahr. Dafür sind sie kostenlos oder sehr preiswert (außer bei Salt Lake City…).

Seitlich am Salmon River befinden sich Thermalquellen, das superheiße Wasser sprudelt hinunter in den Fluss.

Wir verlassen Idaho am 23. April über den Lost Trail Pass, dahinter empfängt uns Montana mit Regen. Der National Forest Campingplatz den wir ansteuern hat noch geschlossen, wir haben keine Lust in dem Regen noch weiterzufahren und zu suchen und bleiben einfach vor der Schranke stehen.

Der Regen bleibt und es ist ziemlich kalt, wir fahren bis Missoula und gehen mal wieder nach langer Zeit auf einen KOA Campingplatz, die Waschmaschinen und Trockner laufen, das Duschen wird ausgiebig genossen und das leider schlechte WiFi genutzt.

 

Am nächsten Morgen sieht die Welt mit Sonnenschein schon wieder anders aus. 116 km weiter befindet sich im Lolo National Forest der Seeley Lake in 1.230 m Höhe, wir bleiben drei Nächte auf dem Big Larch Campingplatz, welcher jetzt in der Nebensaison kostenlos ist. Der See bietet sich uns sehr an mal wieder eine Runde Kanu zu fahren, aber der starke kalte Wind vermiest uns dieses Vergnügen die ganzen Tage die wir hier sind. So machen wir Spaziergänge am See und genießen die Frühlingssonne.

Entlang des Swan River fahren wir bis Kalispell und füllen dort unsere Vorräte auf, gehen für eine Nacht auf den kleinen, familiären Rocky Mountain Hi RV Park, den wir von 2008 sehr gut in Erinnerung haben, wir stehen sogar auf der selben Stelle.

Bis zum Glacier National Park sind es von hier ca. 100 km, nach 60 km stoppen wir aber im Flathead National Forest (wir wollen erst Sonntag in den Nationalpark reinfahren, ab da ist meist weniger los und die Chance auf einen freien Platz auf dem einzigen geöffneten Campingplatz größer) und gehen am 48 Kilometer langen Hungry Horse Lake, ein Stausee, auf den Lost Johnny Campground, wieder kostenlos in der Nebensaison. Site Number 5 gefällt uns sehr gut, mit schöner Sicht auf den See. Später gegen Abend bekommen wir Nachbarn, 3 Familien (mehrere Hunde dabei – Foppolo und Anthony haben also mächtig zu tun) mit ihren Campern, es ist Freitag (29.April) und dazu langes Wochenende, da Feiertage die aufs Wochenende fallen, auf den Montag verschoben werden. Die Kids finden zum Glück Foppolos Bärenglöckchen am Ufer des Sees wieder, er hatte es beim rumraufen verloren. Ich war schon ganz traurig, da sie ein Souvenir von 2008 aus dem Sequoia NP ist.

 

Es ist Sonntag der 1.Mai. Wir fahren die restlichen 40 km bis zum Westeingang des Glacier National Parks und sind schon am frühen Nachmittag am Campingplatz. Wir stellen fest, dass auf dem einzigen geöffneten Campingplatz auch nur ein Loop geöffnet ist, das ist sehr wenig Platz für ein Wochenende mit strahlend blauen Himmel und fast 30 Grad. Hier war es mit Sicherheit gestern voll. Unsere Vermutung ist richtig, ein paar Plätze sind besetzt und an den freien hängen noch die Zettel von der letzten Nacht. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen (10 Dollar in der Nebensaison) und danken unseren Vorgängern für das liegengelassene Feuerholz.

Der Glacier National Park mit seinen 4.045 km² wurde 1910 während der ersten Blüte der Naturschützer-Bewegung in den USA gegründet. Das clevere Parkmanagement lässt den Park authentisch wild gestaltet, aber trotzdem zugänglich für Outdoor-Aktivitäten. Hier sind immer noch Grizzlys in großer Zahl unterwegs und deshalb Hunde auf den Wanderwegen nicht erlaubt, nur auf Campingplätzen, Aussichtspunkten und Picknickstellen.

Fußläufig vom Campingplatz erreichen wir den schimmernden Lake McDonald, in dem sich die schneebedeckten Berge wiederspiegeln. Lars lässt es sich nicht nehmen und nimmt ein erstes Mai-Bad im kristallklaren See. Danach machen wir Picknick mit Käsebrot und Salat. Am Abend sitzen wir gemütlich am Lagerfeuer und freuen uns, dass die Tage jetzt endlich wieder länger werden.

Der 2.Mai ist genauso sonnig strahlend wie der Erste, nur das jetzt der Camping nicht mehr 10 sondern 20 Dollar kostet, wir packen zusammen und fahren die denkmalgeschützte Going-to-the-Sun Road ca. 30 km bis zur Sperrscheibe. Eigentlich führt sie 85 km durch diese atemberaubende Landschaft, rüber zum Osteingang am St. Mary Lake, aber der Logan Pass wird erst Mitte Juni geöffnet. Wir machen eine ausgedehnte Pause am McDonald River und natürlich geht Lars auch hier baden, er lässt sich mit der Strömung ein Stück mittragen, Foppolo und Anthony schauen im ganz erstaunt hinterher. Nicht nur die Hunde staunen, auch alle anderen Leute die hier sind um die Landschaft zu genießen, denn ich bekomme nicht mal den großen Zeh ins Wasser, so eiskalt ist der Fluss.

 

Wir fahren die Parkstraße zurück und verlassen den National  Park wieder auf der Westseite. Da es schon später Nachmittag ist wollen wir heute nicht mehr den weiten Umweg zur Ostseite außen rum fahren und finden nur die 40 km wieder zurück, diesmal auf der anderen Seite des Hungry Horse Lake ein schönes Plätzchen. Wir stehen wie auf einer Minihalbinsel und haben einen so tollen Blick, der uns einlädt einen Tag zu bleiben.

Es sind genau 206 km bis zum St.Mary Campground auf der Ostseite des Glacier National Parks. Kurz vor dem Eingang entdecken wir, etwas abseits von der Straße einen Elch. Psst, Anthony und Foppolo haltet eure Schnabel, wir wollen doch ein paar schöne Wildlife-Bilder knipsen. Das müssen wir noch bissl üben bei Elch, Bär und Co. nicht zu bellen.

Das Wetter ist leider nicht mehr so sonnig, als wir die Going-to-the-Sun Road nun von Osten in den Park hinein, wieder bis zur Sperrscheibe, fahren. Natürlich kann nicht immer Sonnenschein sein und auch die dunkle Wolkenstimmung zusammen mit Bergen, Gletscher und dem St. Mary See hat ihre ganz besondere Wirkung auf uns.

Auf der Ostseite befindet sich noch ein Stück weiter oben das malerische Tal Many Glacier. Die Sonne ist wieder ein bisschen aus ihrem Wolkenversteck hervor gekommen. Leider ist hier der Campingplatz noch geschlossen, aber in der iOverlander App gibt es einen freien Stellplatz, kurz vorm Parkeingang, an einem kleinen Fluss. Wir parken ein und ich sehe an einem Baum ein Holzschild auf dem steht Orla Flats. Ist ja lustig, Orla heißt auch der kleine 10 km lange Bach der in unserem Heimatort Ottendorf-Okrilla in die kleine Röder mündet. So campen wir heut an einem kleinen Stückchen Heimat.

Lars entfacht das Lagerfeuer und an dieses bekommen wir am Abend Besuch aus Alaska. Ein älteres Ehepaar mit ihrem Wohnmobil hat sich mit zu uns auf die Wiese gestellt. Sie sind aus der Nähe von Anchorage und für ein paar Wochen auf Urlaubstour. Wir bekommen eine Einladung von Elaine und Larry sie zu Hause in Anchorage zu besuchen, zum angeln, zum relaxen … vielen Dank, da kommen wir bestimmt drauf zurück.

Unser letzter Abend in Montana geht zur Neige, der nächste Tag ist Freitag der 6. Mai und an diesem verlassen wir die „Lower 48“ nach Kanada.

Ganz liebe Grüße von uns Vieren bis zum nächsten Bericht.