Von Billy the Kid in New Mexico, versteinerten Wald in Arizona und Offroadspaß in Utah

Nachdem wir uns in Alamogordo verabschiedet haben (23.März) und noch eine Runde durch die White Sands getobt sind, fahren wir an diesem Tag noch eine ziemlich weite Strecke von 260 km Richtung West in New Mexico. Die Landschaft hat sich verändert, keine Wüste, Steppe, Sand ist mehr zu sehen, Nadelbäume statt Kakteen, wir befinden uns wieder in National Forest und das nur ein paar hundert Kilometer weiter. Bevor es hochgeht zum Emory Pass übernachten wir in 1890 m Höhe auf einem kostenlosen Campingplatz vom Gila National Forest, an einem Bach, mit nur drei Plätzen und einem Klohäuschen (morgens -6,7 Grad). Auf der Passhöhe in 2500 m Höhe haben wir am nächsten Tag einen Blick über ein großes Stück abgebrannten Wald, das Feuer war laut der Infotafel am Parkplatz im Jahr 2013. Wir fahren Richtung Silver City, eine alte Boomtown, die das Versiegen seiner Silberadern dank Kupfervorkommen überlebte. In zwei Kupferminen wird noch gearbeitet, an der Santa Rita Mine kommen wir vorbei, wow, sie ist riesig groß. Außerdem ist die alte Westernstadt Heimat des berüchtigten Killers Billy the Kid, zusammen mit seinem Verfolger, Sheriff Pat Garrett, gingen sie wohl in die Wildwestgeschichte ein.

Nochmals stoppen wir ein Stück weiter in einer früheren Minenstadt, in Pinos Altos, hier soll laut unserem Reiseführer, eine der urigsten Kneipen des Westens sein, der Buckhorn Saloon. Das alte Opernhaus gleich nebenan begeistert uns noch viel mehr, wir fühlen uns in eine andere Zeit zurückversetzt. Fotos aus längst vergangenen Zeiten hängen an den Wänden und zeigen auch Indianerporträts, es sind Helden, Häuptlinge und Medizinmänner, welche damals versucht haben ihr Land zu verteidigen. In der heutigen Zeit gibt es noch 3 Mio. amerikanische Ureinwohner, auf 500 Stämme überall in den USA verteilt; es existieren 175 Sprachen.

Wir befinden uns immer noch im Gila National Forest und werden auch die kommenden drei Tage und Nächte in diesem riesigen, hochgelegen, einsamen Wald verbringen. Eine serpentinenreiche, schmale Gebirgsstraße bringt uns zum Gila Cliff Dwellings National Monument, Felsbehausungen der Mogollon-Indianer aus dem 13.Jh. Zu den restaurierten Ruinen in den Felsüberhängen führt ein kurzer Trail, auf dem Hunde leider nicht erlaubt sind. Auch jeglicher Proviant ist verboten, nur Wasser zum trinken darf man mitnehmen. Sogar für den Kaugummi gibt es am Beginn vom Weg beim Rancher extra einen kleinen Mülleimer. Die machen es ja spannend hier, Lars begibt sich auf den Trail und ist nach einer Stunde wieder zurück am Auto. Auf zum Campingplatz, dieser ist diesmal am Abend gut gefüllt, es ist Freitag, das Wochenende beginnt, unsere Nachbarn eine mexikanische Familie und direkt fühlen wir uns wie in Mexiko (nur die Hitze fehlt), eine derartige laute mexikanische Blasmusik schallt zu uns herüber, dass ich nach doch einer ganzen Weile rüber gehe und bitte leiser zu stellen. Muchas gracias. Wir entscheiden keine zweite Nacht zu bleiben und fahren 200 km Piste durch den Gila National Forest  … 200 km! Piste – Wald , großartig. Unser letzter Campingplatz hier ist der Apache Creek Campground in 2000 m Höhe, früh sind -7,9 Grad, unsere Standheizung funktioniert zum Glück wunderbar. Draußen wärmt dann die Sonne schnell, wenn sie hinter den Bäumen vorkommt, es wird meist diese Tage bis 25 Grad warm. Am Eingang wird von zwei älteren Herren ein kleiner Stand aufgebaut, sie sind Volunteers und machen eine Umfrage zum Gila National Forest. Auch wir stehen Rede und Antwort und gehen den mehrseitigen Fragebogen mit dem netten Rentner durch. Wir sind natürlich begeistert und geben immer Note 1, super Pisten in herrlicher Landschaft, dazu kostenlose Campingplätze, was will das Reiseherz mehr.

 

Von New Mexico geht es nach Arizona, auf unserer Strecke durchqueren wir den Apache National Forest, in dem wir aber nicht bleiben, denn wir wollen uns jetzt versteinerten Wald ansehen. Der Petrified Forest National Park wurde 1906 unter Schutz gestellt, vor ungefähr 225 Millionen Jahren versteinerte der Wald … wir befinden uns auf einem riesigen, trockenen Hochplateau was einmal ein von Flüssen durchkreuztes Überschwemmungsgebiet war. Am Rand standen hohe, stattliche, tannenähnliche Bäume, dazwischen lebten Tiere, die wir heute nur noch als Fossilien kennen. Als die Bäume umstürzten wurden sie von Schlick, Schlamm und vulkanischer Asche bedeckt, dies Schnitt den Sauerstoffzufuhr ab und verlangsamte den Fäulnisvorgang. Silikathaltiges Grundwasser sickerte in die Baumstämme hinein und ersetzte das Holzgewebe mit Silikatablagerungen. Die Baumstämme blieben als versteinertes Holz zurück. Der Landstrich sank ab, später hob sich das Land wieder, weit über den Meeresspiegel. Dieser geologische Stress ließ die Stämme reißen und in Stücke trennen. Wind und Wasser trugen dann dazu bei, dass die versteinerten Baumstämme und fossilen Überreste von Tieren und Pflanzen heute an der Erdoberfläche bloßgelegt sind.

Eine lange Erklärung, aber ich finde es ziemlich interessant und beeindruckend, diese Umweltveränderungen über Millionen von Jahren. Ich freue mich, dass es im Visitorcenter auch eine Erklärung auf deutsch für uns gibt, den ganzen Tag verbringen wir hier, laufen durch diese bizarre Landschaft, es gibt verschiedene Aussichtspunkte und Wanderwege (komischer und natürlich glücklicher Weise sind Hunde hier erlaubt) und ich würde am liebsten jeden Baumstamm fotografieren, so faszinieren uns die Farben. Wir fahren durchs Painted Desert (bemalte Wüste) welche auch zum Nationalpark gehört und können es kaum glauben, in was für wundersame, schöne Landschaft wir blicken. Am Nordeingang durchquert die Route 66 den Park. Auch davon gibt’s natürlich noch ein Foto.

 

Genug der Faszination finden wir leider am anderen Parkeingang keinen Übernachtungsplatz für uns. An der Ostseite gab es einen freien Campingplatz, im Park gibt es keine. So müssen wir bis in die nächste Stadt fahren und besuchen, was auch nicht schlecht ist, mal wieder einen Campingplatz mit Duschen. Den ganzen Tag ist es schon ziemlich stürmig, in der Nacht wird der Wind aber so stark, dass es uns unheimlich wird und wir unser Dach einklappen. Das erste Mal auf der Reise ziehen wir mit unseren Decken nach unten. Sofort ist eine Ruhe, nichts mehr zu spüren vom Sturm der am Auto wackelt, wir kuscheln uns an unsere Hundis an … gute Nacht. Am nächsten Morgen ist es immer noch stürmig, wir kochen nicht mal Kaffee und fahren über die Autobahn bis Flagstaff, die Stadt liegt am Südrand des Great Plateau auf dem Weg zum Grand Canyon. Es ist ziemlich kühl und auf den umliegenden Bergen liegt Schnee. Wir übernachten westlich der Stadt im Wald auf 2230 m Höhe und sind jetzt auch im Schnee (früh -7,5 Grad), auf einem Stellplatz den Robert (von den Trailsurfers.net) ein paar Tage vorher im iOverlander eingetragen hat. Supi. Wir senden uns auch immer mal unsere Standorte zu und sind mal nah, mal fern voneinander entfernt. Vielleicht treffen wir uns irgendwo wieder. In der Stadt erledigen wir ein paar Einkäufe, zum Beispiel leisten wir uns im REI, der Globetrotter der USA, ein neues Kochgeschirr. Das Alte hat nun nach vielen Nutzungsjahren ausgedient. Dann gehen wir noch in eine Art Biosupermarkt, empfohlen von Katrin, es gibt auch gesunde Lebensmittel in den USA und die sind auch nicht teurer.

Wir fahren noch nicht direkt zum Grand Canyon weiter, machen erstmal einen südlichen Abstecher nach Sedona. Es geht über einen Pass, dann 1000 Höhenmeter nach unten und plötzlich ist wieder kurze Hosen – T-Shirt Wetter. Wir finden einen freien Stellplatz, dank iOverlander am Stadtrand. Ziemlich gut besucht auch von anderen Campern, die hier zum Spaß Offroad fahren. Es ist sehr staubig. Rund um die mega touristische Stadt ähnelt die Landschaft dem Monument Valley, wir blicken vom „Red Rock Loop“ auf rostrote Monolithen. Es sieht toll aus. Dieses Gebiet steht aber leider nicht unter Nationalparkschutz und ist total zersiedelt. Zurück und hoch geht’s nach Flagstaff, noch eine Übernachtung in 2490 m Höhe und dann fahren wir weiter, 140 km bis zum Grand Canyon South Rim (am North Rim waren wir letztes Jahr). Dort befindet sich kurz vor dem Nationalpark Eingang der Kaibab National Forest mit schönen, freien Stellplätzen. Eine super Alternative zum teuren Campingplatz im Park, welcher sowieso meist voll ist. Wir bleiben zwei Nächte und noch eine Nacht am Osteingang, ebenfalls ein freier Stellplatz im Kaibab National Forest. So haben wir drei sehr schöne, sonnige und warme Tage mit wundervollen Blicken in die 16 km breite und 1350 m tiefe Schlucht. Wir laufen den Rim Trail, die unglaublichen Ausmaße des Canyons sind absolut beeindruckend. Ganz weit unten schlängelt sich der Colorado River entlang, er sieht winzig aus, doch er hat in den letzten 6 Millionen Jahren den Canyon geformt.

 

Auf unserem weiteren Weg gen Norden kommen wir nochmal in Page und am Lake Powell (1100 m hoch) vorbei, hier sind wir zum ersten Mal Ende Oktober auf die Itchywheels getroffen, das ist schon wieder so lange her, heute ist der 4. April. Wir wollen zwei Nächte am Lone Rock auf dem Campingplatz bleiben, schaffen aber nur eine Nacht, denn am nächsten Tag vertreibt uns am Nachmittag der starke Wind, der uns unablässig den Sand vom Strand überall hin verteilt und an kochen und draußen sitzen nicht zu denken ist. Foppolo und Anthony hatten auf jeden Fall ihren Spaß, sie haben miteinander im Sand getobt bis die Augen vor Müdigkeit zufielen. Und Lars war natürlich baden bei einer Wassertemperatur von 14 Grad.

 

Wir wechseln am späten Nachmittag nicht nur den Stellplatz, sondern auch den Bundesstaat von Arizona nach Utah. Erst im September 1996 wurde das Gesetz zur Schaffung des Grand Staircase Escalante National Monument von Bill Clinton unterzeichnet. Ein Gebiet von 6800 km² Ausdehnung im Süden von Utahs. Wir fahren nur 44 km bis wir unseren windgeschützten Übernachtungsplatz (1340 m hoch) gefunden haben, direkt an der Piste, gleich am Rande dieses weitläufigen Canyon-Land. Der Wind lässt zum Glück nach. Als es dunkel wird sehen wir in der Ferne die Lichter von Page. Und am nächsten Tag beginnt für uns der Offroad Spaß, das Grand Staircase Escalante National Monument ist voller Jeep-Pisten. Eine gigantische Landschaft, wir durchqueren einen Teil auf der Smoky Mountain Road und sind aber auch sehr froh, dass wir Sonnenschein und eine trockene Piste unter den Buschtaxirädern haben. 70 km Dirt Road vom feinsten, über Stock und Stein, hoch und runter zum Teil nur mit Untersetzung, stückweise durch zurzeit ausgetrocknete Flussbetten. Bis rüber zur Hole in the Rock Road, diese ist viel mehr befahren und gibt sich uns gleich als super rüttelnde Wellplechpiste. Wir stoppen am Devils Garden, laufen und klettern durch die ungewöhnlichen Felsskulpturen und finden nur ein kurzes Stück weiter, etwas abseits der Piste einen schönen Übernachtungsplatz. Wir sind hier auf 1645 m Höhe, am nächsten Tag, der 7. April, fahren wir nur 48 km, aber 1000 m nach oben eine schöne Bergpiste durch den Dixie National Forest und sind schwupdiwup wieder im Schnee. Davon dann mehr im nächsten Bericht.

Ganz liebe Grüße von uns Vieren

Lars, Dagmar, Foppolo und Anthony